Aus Freude am Tanzen

22. Aug, 18 @ Neues Rathaus, Leipzig

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Aus Freude am Tanzen.

Aufruf:
Eigentlich gab es in Leipzig keine Sperrstunde, sagte die Stadt. Im Gesetz stand sie, mit der Regelung, dass Clubs und Gastroeinrichtungen zwischen 5-6 Uhr geschlossen haben müssen. Früher wollte man damit mal für Ruhe sorgen, heute limitiert man die Nacht. Eine Putzstunde, ein gesetzlicher Zwang, der lange Zeit wie ein Damoklesschwert über den Clubs hing. Bis irgendwann das Institut für Zukunft Probleme bekam und nachweisen musste, dass der Club zwischen 5-6 Uhr geschlossen hat.
Einfach mal so. Einfach die Kontemplation, das Tanzen, das Erleben unterbrechen und kurz wieder in die Realität eintauchen. Warum? Weil es im Gesetz steht.
Die konsequente Durchsetzung der Sperrstunde würde vielen Kulturstätten in Leipzig die Existenzgrundlage nehmen, was nicht nur die Gefährdung von Arbeitsplätzen sondern vielmehr ein unwiederbringlicher kultureller Verlust für die Universitätsstadt und ihr Lebensgefühl bedeuten würde. Denn die aktuelle Durchsetzung der Sperrstunde im Falle des Institut fuer Zukunft hat eine große Tragweite für alle Kultureinrichtungen der Stadt – morgen könnte jede beliebige Location zur Durchsetzung aufgefordert werden. Betroffen ist aktuell nur eine – in Gefahr bringt die Sperrstunde jede andere Kulturstätte in Leipzig und damit die komplette kulturelle Infrastruktur der Stadt!
Seit langer Zeit kämpfen wir darum, dass die Clubkultur als Kultur anerkannt wird. Dass anerkannt wird, dass auch DJs Künstler*innen sein können, dass elektronische Clubkultur mehr ist als das Abspielen von Musik.
Wir haben gekämpft. Eine Petition auf den Weg gebracht, die mehr als 8000 Menschen unterschrieben haben, Anträge wurden eingereicht, Stellungnahmen geschrieben und jetzt, am 22.08. wird der Stadtrat nach mehr als einem Jahr der Auseinandersetzung über die Verwaltungsvorlage entscheiden.
Eine Verwaltungsvorlage, die die Sperrstunde für Leipzig aushebelt, und in der die elektronische Musik und Clubs endlich als vollfertiger Teil der Kultur anerkannt werden:
„… Künstlerische DJ’s und Liveacts benötigen zu ihrer Entfaltung eine gewisse Auftrittszeit, die in der Regel mindestens drei Stunden beträgt.
Künstler erzählen am Abend ihre ganz eigene Geschichte, ihr Mittel ist das nicht das Wort sondern die Musik. Und die Geschichten haben Höhen, Tiefen und Spannungsbögen, Energien die Liebhabern klassischer Musik auch bekannt sind. Durch eine entsprechende Planung der Lineups werden diese einzelnen Geschichten der Künstler über den Abend miteinander verwoben, wodurch der Gast am Ende ein für jeden Abend einzigartiges Erlebnis haben kann.
Aus diesem Grund dauert ein Clubevent – soll er künstlerisch wertvoll sein – mindestens in der Regel 8 bis 10 Stunden.
Mit der DJ-Kultur und dem Mixen von Musikstücken, dem Verweben der Töne miteinander, gibt es keine Pausen mehr. Der Gast kann sich in die Musik hineinbegeben und über Stunden zum Teil tiefe kontemplative Erfahrungen erleben. Das Gefühl, ganz in der Musik zu sein, die Gedanken und die Welt hinter sich lassen zu können, bedarf einer gewissen Ungestörtheit und der Möglichkeit, sich über die Zeit hinweg zeigen zu können. Auch das ist ein Grund dafür, warum Clubevents so viel länger als normale Konzerte dauern.
….
Internet und Social Media, die globale Vernetzung und die ständige Verfügbarkeit von Informationen und der Möglichkeit, mit anderen Menschen jederzeit in Kontakt zu treten, haben unsere Gesellschaft seit den 90er Jahren radikal verändert. Alles soll zu jeder Zeit verfügbar sein, die Entwicklung zur 24/7 Gesellschaft scheint unaufhaltsam. Städte, die nie schlafen wie New York, London oder Berlin sind ein Beispiel, was eine moderne Metropole im 21. Jahrhundert ausmacht – Lebendigkeit und die Freiheit ihrer Bewohner, zu jeder Zeit alles tun zu können.
Leipzig hat sich seit der Wende ebenso rasant entwickelt – von Hypezig ist auch manchmal die Rede. So hat sich auch hier in großen Teilen speziell der jüngeren Bevölkerung der Bedarf an einem Nachtleben, welches nicht um eine bestimmte Uhrzeit enden muss, entwickelt. Eine Vielzahl an Clubs, die diese Bedürfnisse erfüllen, sind ein Beleg für diesen Bedarf.“
Leipzig wäre die erste Stadt, in einem Bundesland indem es die Sperrstunde überhaupt noch gibt, dass von der Ausnahmeregelung Gebrauch macht und die Sperrstunde aushebelt. Am 22.08. wollen wir das gemeinsam und laut deutlich machen, zeigen wie wichtig diese Entscheidung für Leipzig als Kulturstadt ist und wir wollen, wenn es so kommt, feiern.
Aber…
Mit dem Ende der Sperrstunde haben wir etwas erreicht. Die Stadt, ihre Stadträte bekennen sich zur Clubkultur, zu den Clubs in der Stadt. Wir werden Sie daran erinnern müssen. Die steigenden Mieten, die rasante Veränderung der Stadt gefährden auch die Clubs. Die Schließung des 4rooms und die Diskussion um das So&So, sowie die damalige Diskussion um den Standort der Distillery zeigen, dass die Clubs durch das Wachstum gefährdet werden.
Zu einer lebendigen Stadt, zu einer lebendigen Kultur, gehören Freiräume. Mit unserer Kundgebung wollen wir auch daran erinnern und deutlich machen, dass die Gentrifizierung auch mehr und mehr zu einem Problem der Clubkultur geworden ist.
Deswegen kommt am 22.08. um 17 Uhr zum neuen Rathaus, lasst uns mit Beats und Bass auf unser Anliegen hinweisen. Aus Freude am Tanzen.

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