Egal ob in Erfurt, oder in Emstdetten. Amokläufer haben fast immer Ego-Shooter wie "counterstrike" etc pp, auf ihren Computern. Grund genug für die CDU/CSU, die sogenannten "Killerspiele" verbieten zu wollen. Doch sind Computer- und Videospiele wirklich der Grund für Amokläufe, was ist eigentlich ein "Killerspiel" und wird der Versuch Probleme mit Gewalt zu lösen nicht vielleicht auch aus anderen Gründen immer wieder attraktiv?
Die in Medien, unter dem ebenso griffigen, wie stigmatisierenden, Namen "Killerspiele" zusammengefassten Computerspiele, haben oft nicht viel miteinander gemeinsam. Den mal bezeichnet man damit klassische Egoshooter wie "Counterstrike" ("CS") - also Spiele in denen der Spieler in einer First -Person -Perspektive, selbst in Kampfhandlungen etc verwickelt ist - immer öfter aber auch Actionrollenspiele wie "Grand theft auto - San Andreas" (GTA - SA), in denen man eine Spielfigur durch eine Geschichte steuert und lenkt. Das dass erste, nichts mit dem Zweiten zu tun hat, wird deutlich wenn man sich näher mit solchen Spielen auseinander setzt. Ob man unter, oft schon wettkampfmässigen Bedingungen online oder unter Freunden Terroristen jagt, oder den Haupthelden in einer auf Fastfood und Bandenkriege stilisierten Darstellung amerikanischer Großstädte Missionen zwischen Zuhältern, Rache für ermordete Familienmitglieder - aber eben auch Aufgaben wie "Krankenwagenfahren" und ähnlichem - steuert, das Töten anderer Menschen in Computerspielen, ist Bestandteil von vielen ...
Das die CDU/CSU jetzt die ganzen, bösen "Killerspiele" verbieten will, ist wieder typischer Aktionismus, der die Falschen trifft und sowieso unbegründet bleibt. Tausende von friedlichen Computerspielern sollen jetzt kriminalisiert werden, weil zwei Psychopathen auch virtuell getötet haben? Anscheinend geht man nach der Logik, Killerspiel bei Amokläufer = Killerspiel macht Menschen zu Amokläufern. Das sogut wie jeder Amokläufer "Killerspiele" spielt, heißt allerdings nicht im Umkehrschluß das jeder virtuelle Schütze zum Amokläufer wird!
Ein kleines Beispiel: In Gymnasien werden Schüler der 10. Klasse unter dem Namen "Fit for life", von Rekrutierungsoffizieren und -beamten über die großartigen Karrierechancen als Offizier in der Bundeswehr, oder als Polizeibeamter informiert. Sechzehnjährigen wird damit versucht, die Entscheidung Berufssoldat zu werden, schmackhaft zu machen. Und abends eine halbe Stunde "CS" zu spielen soll jetzt verboten werden? Wenn ihr schon glaubt die Wahrheit hinter den "Killerspielen" erkannt zu haben, erkennt doch auch mal die Wahrheit hinter den "humanitären" Einsätzen der dt. Soldaten. Erkennt doch endlich, dass die Teilhabe an den NATO - Missionen längst nicht mehr nur aus medizinischer Hilfe für geplagte Dritte-Welt Nationen besteht ...
Aber anstatt die Ursachen zu Bekämpfen, bewährt sich die Politik wieder als Zensur- und Verbotsinstitution. Anstatt die gesellschaftlichen Probleme zu erkennen, sucht man nach einem Sündenbock.
Du bist Deutschland! Du bist Erfurt und Emsdetten!
Also, es gibt viele sehr kritische Stimmen, die sich gegen die "Killerspiele" wenden. Fakt ist, dass eben diese Kritiker meistens nichteinmal den geringsten Einblick in die Problematik haben. Sie sehen dass dort getötet wird. Sie wissen nicht, das die Spieler viel besser zwischen Simulation und Realität unterscheiden können, dass sie eben diese Handlungen nicht als "Töten" begreifen. Es geht nicht um die Freude daran, Menschenleben auszulöschen. Es geht um Adrenalin, um Spannung und Leistungsanspruch. Nicht umsonst gibt es die sogenannten eSports. Es ist in gewisser Weise Sport, was man dort tut.
Auch verschließen die meisten Erwachsenen völlig die Augen vor dem Sarkasmus und dem schwarzen Humor der meisten "KIllerspiele". Sicher, dieser Humor mag nicht jedermanns geschmack sein. Aber es geht eben nicht nur um Blut, noch mehr Blut und Gewalt.
Kommentiert von: Steffen | 10/12/2006 um 08:32 nachm.
zwei interessante artikel zum thema:
"Sollten sich die CDU/CSU-Minister tatsächlich durchsetzen, dann ist's wohl Essig mit dem Antrittsbesuch von Robert Gates, der am 18. Dezember die Nachfolge von Donald Rumsfeld als US-amerikanischer Verteidigungsminister antritt. Denn das Pentagon verteilt den Militär-Shooter "America's Army" kostenlos über das Internet - auch nach Deutschland. Ergo müsste Gates der Verbreitung von "Killerspielen" angeklagt werden und wegen der Schwere des Vergehens (Herstellung von "Killerspielen" mit Millionen-Etat, Verbreitung an Hunderttausende von Minderjährigen) wohl mit der Höchststrafe rechnen und für zwei Jahre ins Kittchen wandern."
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/24/24214/1.html
"In der öffentlichen Debatte entsteht dabei zuweilen der Eindruck, dass hierzulande Spiele erhältlich sind, die es in Wahrheit - dank USK - in Deutschland nicht zu kaufen gibt. Oder dass Gewaltszenen darin vorkommen, die eben - dank USK - in den deutschen Versionen nicht enthalten sind. Beispielsweise behauptete Schünemann in einem Interview unwidersprochen, die USK gebe Spiele frei, in denen es Punkte für das stückchenweise Zersägen von Menschen gibt. Fakt ist: Das stimmt nicht. In Essen ist bei der Preisverleihung unter den gut 700 Spieleentwicklern Wut darüber zu spüren, dass ihre Branche, ihr Markt verzerrt dargestellt werde."
http://www.spiegel.de/netzwelt/spielzeug/0,1518,454600,00.html
Kommentiert von: Booga | 16/12/2006 um 10:30 nachm.
na endlich, der wissenschaftliche beweis ist da:
"In vielen Hinsichten unterscheiden sich "Killerspiele" von der Erfahrung in einer immersiven Umgebung mit einer virtuellen Person, die mit dem Spieler interagiert ("Killerspiele" und Gewaltdarstellung). Gleichwohl könnte das Milgram-Experiment mit der simulierten Person auch die Argumente derjenigen stärken, die vor den Gefahren warnen, die von den brutalen Spielen ausgehen, da Menschen unter bestimmten Bedingungen ähnlich auf virtuelle Akteure wie auf Menschen reagieren. "Natürlich weiß jeder, dass nichts wirklich passiert", sagt Slater. "Aber einige Teile des Wahrnehmungssystems verstehen das als wirklich. Ein Teil des Gehirns kennt die Virtuelle Realität nicht.""
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/24/24300/1.html
Kommentiert von: Booga | 24/12/2006 um 12:29 nachm.
telepolis legt mit einem neuen artikel nach und lässt stefan höltgen mit einem definitionsversuch zum begriff "killerspiel" zu wort kommen:
"(Eigentlich ist "Killerspiel) ein referenzloses Wort, ein englisch-deutscher Neologismus, der viel weniger auf eine Sache als auf einen Diskurs verweist: Wer heute das Wort "Killerspiele" benutzt, der tut dies nicht innerhalb einer zur Neutralität verpflichteten Unterhaltung, etwa über Programmiertechniken (sicherlich, könnte man "Killerspiel" auch als Pendant zu "Killerapplikation" verstehen und Computerspezialisten werden mir zustimmen, dass viele "Killerspiele" auch "Killerapplikationen" sind - aber nicht unbedingt umgekehrt).
Vielmehr wird das Wort genau dann benutzt, wenn man möchte, dass sich beim Zuhörer oder Leser bestimmte Evokationen einstellen. Wenn jemand "Killerspiele" sagt, schwingen sofort Diskurse über "Gewalt und Medien" und nicht zuletzt eben auch über "Amoklauf und Schule" mit. Aufgrund der Tatsache, dass "Killerspiele" immer dann auftauchen, wenn etwas Schreckliches passiert ist, was angeblich mit ihnen zu tun haben soll, kann man das Wort gar nicht benutzen, ohne das mit ihm in Verbindung gebrachte schreckliche Geschehen mitzumeinen."
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/24/24228/1.html
Kommentiert von: Booga | 29/12/2006 um 10:26 vorm.
mehr artikel bei webnews.de:
http://www.webnews.de/suche/killerspiele/0
Kommentiert von: Booga | 05/01/2007 um 10:46 nachm.