Besprochen werden die Releases #59 bis #61, die Alben 04 und 05 sowie die letzten beiden Metalheadz Platinum Scheiben.
Rezension aller Tracks in zwei Sätzen.
Metalheadz Album 04
Age Of Empires - Photek
Einen Klassiker wie "The Horn Track" aus 1992 (von Egyptian Empire) von Photek covern zu lassen hätte zu weitaus mehr Nachhaltigkeit auf den Floors führen sollen als die amtliche aber standardmäßige Ausführung. Da hilft auch kein Hype durch Extraveröffentlichung als Picture Disc und "Horns performed by Photek" (!) Vermerk.
I Can't Describe - Skitty
Ein Track, der möglicherweise unterschätzt wird, weil er gerade in der Mitte erst zum Flügelschlag ansetzt. Deep, verbreakt und vorwärtsmarschierend wie nur was.
16 Stories - Seba & Lenk Ft. Robert Manos
Selten wurde ein Drum & Bass Track so exzellent von einem Sänger dominiert und getragen. Epische Scheisse auf Knarzbässen und reingecutteten Breaks - kommt im Mix besser als allein.
Twisted 3rd Mind - Loxy & J Dub (Keaton & Hive Rmx)
Die amerikanischen Gewaltkollegen verhelfen einem in die Ritze der Breakbeatgeschichte gerutschten Hammertrack zu einem absolut gelugenem Tuning. Pimp my fucking twisted scifi mind!
Dial Up - Spirit
Schlurft sich der Track zunächst wie Jajabinx durchs Gras kommt der Abgehmoment nach der Alarmsirene natürlich doppelt so gut. Wird noch schön Phantom Audio-klonkig und hat einen nilpferbreiten Bassarsch.
Novocaine - John Rolodex & Synoflex *
Eine Achterbahnfahrt durch alle Metalheadzgefilde: vom elegischen Intro über Amen-drischt-Bass-Schikane bis zum klassischen Goldie-Stomper-Beat. Selten wurde eine Breakbeatgeschichte so umfassend in sechseinhalb Minuten erzählt.
Prejudice & Politics - Leon Switch & Kryptic Minds
Ah ja, die Herren Tränenverstecker und Schmerzverstärker sind wieder am metern. Einen richtigen Höhepunkt hat das Stück nicht, aber so muss es wohl im Drum & Bass Hades sein - derbe und endlos halt.
Tingz - Gremlins & Stranjah *
Chop chop chop! - Amit-Brüder im Geiste und genug Gras zwischen den Bongos. Ein Track bei dem MC's vermutlich Weltrekorde im double-rhymes-Austragen aufstellen wollen.
Bad Days / Beta 2
Ein bisschen wie Novocaine und dabei etwas unentschlossener im Abgehfaktor. Dennoch ein ganz feiner Sonnenaufgehmoment beim Break.
Secret Fire - K.O.T.P.
Das Blame Sideproject "Keepers Of The Peace" bringt mit dem geheimen Feuer tatsächlich einen Roller an den Start, der manch anderem Samplertrack die Luft zum Atmen nimmt. Gurgelnde Sprachsamples, antreibende Orchesterpauken und -gongs auf sich melancholisch windenden Synths und einer Bassline, die direkt ins Unendliche zielt (unbedingt im Mix mit Total Sciene "Defcon 69" probieren).
The King - Leon Switch & Kryptic Minds *
"Talk Is Cheap Motherfucker - Do it!". Bitte erheben Sie sich und salutieren Sie dem amtierenden Metalheadz Klassiker, ohne Worte.
* nur auf der CD-Version erschienen.
Meth 059 - Hive: Krush / Against The Grain
Unglaublich was Hive mit "Neo" geschafft hat, dass man nun versucht ist, jeden seiner neuen Tracks mit diesem Hit zu vergleichen. Eigentlich ist die A-Seite durch die krassen Breaks gar nicht floorkompatibel aber dafür wurde wieder ein Meisterwerk in Blade-Runner-Manier abgeliefert.
Auf der Flipside bügelt Hive die bekannten Rhythmusphrasen gegen Strich und lässt den oder die MitwipperIn im Unklaren ob das nun der Jungle-Jazz der Zukunft ist oder einfach nur geil. Derbe Überraschungen erlebt man, wenn man sowas mit Amit mixt...
Meth 060 - Rufige Kru: Say You Love Me feat. Jenna G / Say You Love Me (Rufige Mix)
Mit diesem Release werden die Ankündigungsfestspiele für das kommende Goldie-Album eröffnet und das macht er ziemlich tiefseetauchermäßig: Bässer und lauder die Subs nämlich nie klangen. Auch "Say You Love Me" ist von der typischen Rastlosigkeit bestimmt, für die der Metalheadz-Chef bekannt ist - die Stylepattern reichen von Technochords und Apokalypseposaunen bis zu Spielhallenflipperbässen und der gottlosen Sangeskunst von Jenna G. Im wahren Leben möchte man sich wohl kaum so energisch bitten lassen, jemanden seine Liebe zu veräußern - aber real life hin oder her, Händchenhalten ist bei dem Track eher nicht angesagt...
Meth 061 - Outrage: Patients / The Rebel
Endlich isses soweit: Musik für Patienten! Rezept: Schwarzes Intro, Schizo-Sirene, Synapsen-treffen-Synkopen-Breaks, Klopfgeister und alles nochmal von vorn.
Mit "Rebel" bringt Outrage J Majiks "Final Approach" auf den Stand von 2005. Unglaublich deepes, darkes und verwegenes Release was wieder einmal unterstreicht, dass Metalheadz Untergrund war, ist und bleibt.
Metpla 002 - Total Science: Defcon 69 / Loose Ends
Spinback und Q-Project legen nicht nur eines der zauberhaftesten Intros der letzten 24 Monate vor, sondern auch eine große Kelle entschlossener Knackigkeit obenauf, ihre Sonderstellung nicht nur bei Metalheadz unter Beweis zu stellen. Irrsinnige Momente kann man auf den Trommelbass-Tanzfluren bezeugen, erschallen die Technochöre von "Defcon 69".
Mein ganz spezieller Liebling ist ja "Loose Ends", weil der Tune die Janusköpfigkeit des Produzentenduos selten so deutlich unterstreicht: exzellente Momente der Scifi-melancholie zu kreiieren (wie sie seinerzeit so genial von The Invaderz aufgegriffen wurden) ohne diese jedoch zum bestimmenden Motiv zu machen und statt dessen zu Casino-Palermo Themen wechseln. Ist das vielleicht das Konzept der "loose ends"?
Metpla 003 - Klute: Don't Wanna Be Alone / Rosemary
Klute zieht 2004/2005 seine unwiederstehlichen Bahnen und hinterlässt zwei glitzernde Spuren auf dem aktuellen Premium-Release des Hauses Metalheadz. Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, im Zusammenhang mit "Don't Wanna Be Alone" das Wort Regenbogen nicht zu verwenden, naja Schwamm drüber - aber was will man machen? Roman Polanski hätte sich garantiert gewünscht, Klute für den Soundtrack seines Thrillers "Rosemary's Baby" zu verpflichten, wenn nur der Gute schon 1968 solche Alptraumtunes gemacht hätte. Aufgrund des langen Intros ein Mixing-Segen für DJ's und für die Tanzenden könnte es die akustische Umsetzung eines Absynth-Flashbacks bedeuten.
Metalheadz Album 05
Commix - Tychoon
Hospital-gestählt bringt Commix einen superben Roller an den Start, der schon deshalb meine Huldigung findet, weil er ebenfalls die "fliegenden Streicher" verwendet, die mich schon bei dem ersten Phantom Audio Release beeindruckten. Was für Soul:R und Revolver Fans.
Klute - Can't See The Grooves
Da isser wieder mit der nächsten Bombe. Klute macht zur Zeit alles richtig: einzigartige Atmosphären und ein Rhythmusgerüst was natürlich zu Metalheadz passt wie Salma Hayek in einen Tarantinofilm gehört.
Closer To You - Beta 2
Deep House auf 174 bpm. Und wieder dreht er in der Mitte des Tracks richtig auf - sollte auf keiner Sommer-Long-Drink-Party fehlen.
Outrage - No Compromise
Der Kollege Outrage bleibt auf dem Pfad von John B und J Majik, als sie noch böse und vertrackte Tracks machten. Bin gespannt, wie sich dieses Bass- und Splattermonster auf dem Floor verewigt.
Goldie - Say You Love Me (Rufige Mix)
Siehe weiter oben.
Skitty - Ruffness
Dub-tech-step is back! Was Alpha Omega auf Advanced vor vieren Jahren zelebrierte führt Skitty angemessen und mit einer Prise Evilness fort.
Digital - Scam
Das lange Warten auf ein Digital-Release auf Metalheadz hat sich verdammte Scheisse nochmal gelohnt! Der Dubzilla-Jünger namens "Scam" ist der unbestrittene Höhepunkt des fünften Metalheadz Albums.
Marcus Intalex - Wastelands
Wenn du denkst, es soult nicht mehr, kommt von irgendwo ein Intalex her. Streicher und Acid-Bleeps waren selten in einer so schweißtreibenden Einheit zu erleben.
OB1 - Jasmine Nights
Wenn man das etwas haargelige Intro geschafft hat, erwarten einen straff gezogene Hammerbässe, die den sonst schwer-elegischen Track etwas Biss geben. Was für den verknallten Tanzmoment (im besten Fall).
Drifter - Sunseeker
Die Saison-Orientierung ist auf dem fünften Metalheadz Album unverkennbar. Sollte dieser Track früh um sechs auf Vox "Rave Boat" oder dergleichen laufen würd ich lauter drehen.
D Kay & Lee - Tuning
Beim ersten Hören schallts aus dem Wurmloch: Hello, this is Doc Scott - I'm back! Doch dann drehen das Timeless Vorzeigeduo D Kay & Lee den Schalter auf 2005 und bescheren uns einen Track, der nachhaltig in Erinnerung bleiben wird - so oder so.
Links:
http://www.metalheadz.co.uk/
http://www.metalheadz.co.uk/metalforum/



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