Die Nummern 53 (Spirit) und 54 (Danny C) sowie das erste Release des bislang zweiten Unterlabels namens "Metalheadz Platinum" mit zwei Tracks aus dem Hause Bad Company UK werden kritisiert.
Meth 053 - Spirit: Solitaire Remix / Soul Survivor
Meister Busto legt sein "Solitaire" (bereits 2002 auf der MDZ.02 veröffentlicht) neu auf und diesmal klingt das Ergebnis mehr nach Muskeln als nach Fett. War die Originalversion noch eher der Dubzilla auf dem Dancefloor der teilweise sehr undifferenziert um sich schlug, so kommt die Kraft diesmal sehr gebündelt rüber. Nach den runtergepitchten Vocals, die sich durch den Delayjungle winden und damit gleich die Trademark von Spirit erkennen lassen, kommt unmittelbar das bekannte Bassthema. Verdammt, klingt ja sehr rave-mäßig. Dann werden die Beats angezogen (die übrigens sehr an den Angel III Remix von Loxy & Ink erinnern) und fertig ist die Alarmmeldung. Der Rewind-Trick lockert dann aber die Stimmung auf - Selbstironie oder der nächste Partyhype? Der Track entfaltet langsam aber sicher den Anspruch des Labels, einerseits den Anschluss an die Clubszene nicht zu verpassen und andererseits die Dramafacette wieder neu ins Spiel zu bringen, für die insbesondere Goldie steht. Also geht in der Mitte des Bassterrors eine tiefrote Sonne auf. Die Flächen tauen den Frost der Härte etwas weg, die große Sehnsucht kennt nur zwei Harmonien und das reicht für den, der es spürt völlig aus.
"Soul Survivor" setzt an der melodramatischen Front um einiges tiefer an. Die leicht verwaschenen Beats ergänzen die stoische Subbassline und ihre verzerrten Geschwister aufs beste. Bongos melden neue Drinks an und die herrlich oldschoolig geloopten Streicher lassen die Schweißtropfen den Gänsehautnacken etwas langsamer herunterfließen. Die große Reminiszenz wird von dem Glockensample eingeläutet, welches Goldie und DJ Freebase a.k.a. Rufige Cru 1992 in ihrem Track "Killa Muffin" auf Reinforced zum ersten Mal verwandten. Die Seelen überleben eben, auch wenn sie schon ein Dutzend Jahre auf dem Buckel haben. So siehts aus!
Meth 054 - Danny C: Long Road / Feel / Warheadz 1 / Warheadz 2
Ich kann mir gut vorstellen, wie Goldikus Danny C's "Thinking Of You" 2001 auf Timeless Rec. hörte und sich dann den Portica Labelchef griff: "Hör zu, alles gut und schön, aber das will ich auch haben - nur eine Ecke kranker. Mach hin, du kannst das." Und wie Danny C das kann. Das Ergebnis "Feel" schwelgt zunächst in verhallten Frauenvocals und doch eher dünnflüssigen Synthflächen. Ja wir fühlen es, ja Baby, das ist eine Intro-und-Rewind-Platte. Was dann folgt ist mit dem Treffen von Presslufthammerjoeausdemwald und Lemon D's "B Boy Revenge" nur unpräzise beschrieben. Metalschläge unterbrechen die 3-Ton-Bassläufe und DJ-Samples versuchen die Stomperorgie noch weiter nach vorn zu hetzen. Nach dem typisch elegischen Break offenbart sich der Track als wahres Twisterschwein. Ist man erstmal drin dann ist man erstmal drin.
Die Jetsounds funktionieren im Intro immer noch. Warum sollte das also bei "Long Road" anders sein? Der vielversprechende Anfang inklusive Zappelbeats verwandelt sich jedoch im Augenblick eines mehrstöckigen Doppeldeckersturzes zu einem 2-Ton-Amen-Vernichtungsfeldzug. Sowas hat man auf dem Label lange nicht mehr gehabt - die Lust an der puren Zerstörung. Wo sind eigentlich meine Dom & Roland Platten?
Was hört man als erstes bei "Warheadz"? "Bring that beat back!" von Professor Griff, Public Enemy. Alles klar: Gotta give the peeps what they need. Auch klar: ich gehöre nicht zu den "Peeps" die Danny C meint. Punkt.
Metpla 001 - Bad Company UK: Bellini / True Romance
Aha, es gibt jetzt also reguläre Metalheadz Releases und die Premium Qualität landet bei Metalheadz Platinum. Neben Bad Company erwarten uns da in Zukunft die Perlen z.b. der Rufige Kru und Total Science. Wobei ich die Erwähnung vom Duo Infernale doch eher skeptisch betrachte, wenn man sich ihr letzten Releases auf Metalheadz anhört, dann sind die nun wirklich alles aber nicht "absolute Wissenschaft". Was da in der Platinum-Pipeline ist, sollte den Ritterschlag auch verdient haben.
Und schon bin ich bei "Bellini". Der "cold sweat" Break als Grundgerüst lässt einen zunächst an Hidden Agenda denken, so dermaßen leicht fließt der Track dahin. Yeah, "we want you". Und hier bin ich und seit wievielen Monaten hat mich Bad Company wieder? Ich weiss es nicht mehr. Aber "Bellini" hat mich von den ersten Schlägen des krudesten Trackintros seit langem sofort in seinen Bann gezogen. Das Melodiethema melancholisch zu nennen wäre untertrieben. Kreiselnde Agonie im Angesicht des Malstroms kommt dem wohl am nächsten. Ausproduziert bis zum letzten Detail, mit einem Druck der keine Hektik kennt. Stark!
"True Romance" beginnt zart und düster. Ein weiterer leichtfüßiger Oldschool-Break entwickelt sich zum schnelldrehenden Rädchen in dieser völlig lässigen Rhythmushypnose. Ein paar "Blinks" hier und eine langsam rotierende Bassrolle da, Art of Noise "Ah's" und ein paar Orgel-Hooks, die von Calibre geklaut sein könnten - und bitte, was ist das für ein Break??? Die Musikalität der zwei Tracks überrascht so angenehm, dass man es zunächst gar nicht bemerkt. Aber sind es nicht die Ohrwürmer, die man zunächst nicht für voll nimmt und die sich dann dennoch so in Herz, Hirn und Bauch fressen?
Die Platinum-Messlatte liegt hoch, das ist ein gutes Signal, keine Frage. Man darf gespannt sein, ob die regulären Veröffentlichungen dann die "B Tracks" sind, die halt raus müssen oder ob die Grenzen nach oben doch noch offen sind.





bin absolut begeistert vom neuen gesicht der metalheadz platinum. nachdem auch v records mit liquid-v ein unterlabel für gute musik signt kann es nur noch besser werden.
Kommentiert von: windy | 02.05.04 um 14:50