Review: Siriuz & Weakhead – Kryptonit

siriuz cover

Klickt auf das Cover und ihr gelangt direkt zum Album auf Bandcamp

Das neue Siriuz Album „Kryptonit“, ist eines dieser Werke, bei dem man nach dem ersten Hören mit einem Gefühl zurück gelassen wird, dass über alle humorfreien Etagen menschlicher Emotionen resümiert wurde. Damit lassen einen die wenigsten Künstler zurück. Ich denke nicht, dass Siriuz in seiner Herangehensweise bestrebt war dieses Gefühl zu erzielen, geschweige denn sein persönliches Blauer Samt oder Faust abliefern wollte. Dafür bricht aus der Dramaturgie des Langspielers in gefühlsbetonter Manier auch mal der ein oder andere Brecher raus, in dem ungefilterter Szenefrust seinen Weg nach außen sucht. Dies manifestiert sich allem voran im wütenden Intro, in dem sich nahezu jeder wiederfinden könnte, der möchte:

„Es ist gar nicht so schlimm, die Sache beim Namen zu nennn, aber Leute rasten aus, wenn sie sich darin erkennen“

… heißt es im letzten Songdrittel des ersten Tracks. Tendenzen finden wir alle in uns. Wie bei populären Volksdiagnosen, müssen allerdings nicht alle getroffenen Hunde bellen. Siriuz scheint sich im Zuge der Entstehung von „Kryptonit“ von vielen inneren und äußeren Reizen betroffen gefühlt zu haben. Als Berater und Auffangbecken zur Verarbeitung dienten ihm die Instrumentals des Erfurter Beatbauers Weakhead. Diese Symbiose ergänzt sich für mich unglaublich gut. Die Instrumentals sind meist jazzig warm, streicheln die Seele und dämpfen die oftmals inhaltliche Nüchternheit der Songs. Das ist gut, um die Botschaften auch zu den weniger melancholischen Gemütern zu transportieren.

Ich will nicht sagen, Siriuz betreibe hier in lebensbeneinder Form Schwarzmalerei. Er mutiert auf dem Album nicht zu einem zweiten Prezident. Besonders der Track „Illusionen“ ist ein guter Zeuge für die Kanalisierung seiner Ambivalenzen. Der Verlauf des Songs filtert kritisch heraus wie viel Wahrheiten das eigene Gemüt verkraften kann. Auch wenn es klingen mag, als ob der Chorus sich über Täuschungen echauffieren würde, bekennt sich Siriuz am Ende zu dem notwendigen Maß an Magie:

„Ich kann immer noch an Märchen glauben und lass die Gedanken treiben wie Feenstaub.“

Bei den ersten beiden Videoauskopplungen wurde ein gutes Gespür bewiesen. Sie sind für mich die perfekten Aushängeschilder für den Tenor des Albums. Ich fühle mit Siriuz mit. Man begleitet ihn durch dunkle Stunden, aber mir gefällt die Gegenüberstellung von aufrichtig empfundener Ausweglosigkeit und Lösungsoptionen in Richtung Wendepunkt. Verschafft Euch selbst ein Urteil und findet den Weg zu Bandcamp, wo ihr das Werk kostenfrei oder für eine Spende in Höhe eigenen Ermessens downloaden könnt. Die 14 Tracks weisen eine breite Spanne an Identifikationspotential auf. Mal abgesehen davon, dass sich das Album äußerst angenehm in der Hörschnecke kräuselt, werdet ihr möglicherweise Antworten finden, auf die ihr eure eigenen Fragen suchen solltet. Aber genau das macht die ganze Nummer doch so reizvoll, denn „das Leben ist ein Test Digger“.

Links Siriuz: Bandcamp / Facebook / Soundcloud

Links Weakhead: Soundcloud / Facebook

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