Ranko – Unchained EP

Gleich zwei Debuts in einem bringt die Unchained EP mit sich: Einmal ist sie Rankos erstes eigenes Release und zum Zweiten auch das erste O*RS-Tape – knallerot, limitiert, das Magnetband mit Frühling bespielt. Diesen Eindruck erweckt nicht nur das Vogelgezwitscher und -gekrächze, das akustisch die Grenzen zwischen der heimischen Stereoanlage und dem geöffneten Fenster verschwimmen lässt. Auch die Mischung aus angenehm warmen Instrumentals und Beats, denen teilweise noch die Frühjahrsmüdigkeit in den Knochen zu stecken scheint, passen perfekt zur Jahreszeit. Opener Trash Business beginnt mit genau dieser entspannten Rhythmik und lädt zum Rumlümmeln auf den Spielwiesen Hip Hop und Chillwave ein – oder fordert mit einem dezenten Tempowechsel zu mehr Aktion auf. Und auch Move Real Slow nimmt gemächlich Fahrt auf, sodass man sich doch schneller dazu bewegen kann, als die Vocals suggerieren möchten. Clarapark-Kollege und OverDubClub-Kompagnon Duktus sorgt für die etwas kantigere, unverblümtere Version. Da wo Ranko auf tanzende Hüften und Füße zielt, fixiert Duktus den Nacken der HörerInnen und steuert einen gewieften Kopfnicker zu der immerhin sieben bzw. neun Tracks umfassenden EP, denn das Tape enthält zwei Bonus Tracks, die digital nicht zu haben sind, bei. Der zweite Remix auf Unchained kommt von einem weiteren OverDubClub-Miglied: Cuki haucht Ballad Of A Dead Bird neues Leben ein und hellt das freundlich krächzige Original auf. Um in der Titel-Metaphorik zu bleiben, könnte man auch sagen, dass er der Krähe ein weicheres Singstimmchen verleiht.

Besonders reizvoll an Unchained finde ich, wie die EP die Balance zwischen Dancefloor und Couch hält. Keiner der Tracks taugt nur für eins von beidem. Eine gute Entscheidung daher, dass Rankos Erstlingswerk nicht nur als Kassette, sondern auch digital erscheint.  Vor allem All In Me und Sunny Moon, die mehr Future Garage ins Spiel bringen, triggern die Tanzbeine. Part Of A Plan ist dagegen etwas verhaltener. Der Sound erinnert mich an Mount Kimbie, ohne dabei imitiert oder fremd zu klingen. Das eigenwilligste Stück ist Broke As Fuck. Bevor ich jetzt aber in weiteren 100 Wörtern beschreibe, was ich damit meine, solltet ihr euch Unchained selbst anhören. Ich empfehle wärmstens dieses taufrische Tape zu kaufen und dann geht es ab in den Elektrofachmarkt eures Vertrauens, um eins von diesen neuartigen Kassettenabspielgeräten anzuschaffen. Ich kann es kaum erwarten, dass sie die Handylautsprecher im Clara-Park ersetzen!

Oh, und nicht vergessen, am Samstag bei der Release-Party vorbeizuschauen!

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