KOLLEGHA- DAS IST ALPHA! (DIE 10 BOSS-GEBOTE)- UNTERHALTSAMES WERK / ABER ACHTUNG: NUR FÜR JUNGE MÄNNER!

Zur Einführung 
Man muss kein Genie sein, um sich den Inhalt vorzustellen: Kollegah hat ein Selbsthilfebuch geschrieben, in dem er Gebote für ein Leben formuliert, das er selbst befürworten könnte und er lässt dabei keine Gelegenheit aus, seine eigene „Bosshaftigkeit“ zu unterstreichen.

Obwohl ich eine 31-jährige Mutti bin, die übertrieben ehrgeizige Menschen belastend findet und somit absolut kein Teil der Zielgruppe dieses Buchs darstelle, schreibe ich gern eine Rezension darüber („zerreiße“ es also [Hier bitte Emoticon mit Augenrollen einfügen]).
Dank Spotify konnte ich dieses Werk kostenlos als Hörbuch und vom Künstler selbst eingelesen konsumieren.
Hier wird sich ausschließlich mit dem „Literaten“ (haha) Felix Blume beschäftigt. Ich höre seine Musik aus Überzeugung nicht und habe wenig Ahnung von den darum kursierenden Debatten.

Das Buch
Kollegah war nun bereits in verschiedensten Machtpositionen, die er sich nacheinander und aufsteigend erarbeitet hat. Begonnen als Zuhälter, avancierte er vom Kaiser zum Imperator, um letztlich ein Monument zu werden, als wäre er bereits verstorben. Glaubt man seinen Aussagen, stimmt das auch. Kollegah hat das Rap-Game bereits durchgespielt. Den Rapper gibt es nur noch nebenbei- nun wird sich neuen Aufgaben zugewandt. Der Schriftsteller begann als Trainer (Bosstransformation) und digitierte in seinem neuesten Werk zu einem väterlichen Freund, vielleicht sogar zum Vater, für jene Jungs, die nicht erreichen können, was sie sich doch alle sehnlich wünschen (laut dem Künstler sind das ausschließlich „Frauen, Geld und Freiheit“).

Neben seiner Konsumsucht (in etwa: Diese kostspielige Uhr funkelt so sehr, bitte packen sie mir noch diese teure Sonnenbrille dazu, um meine Augen zu schonen) ist wohl das Frauenbild des Bosses, das er nebenbei an junge Männer vermitteln möchte, einer der größten Kritikpunkte meinerseits.
Ok, man kann bei Kollegah nicht die Maßstäbe ansetzen, die die Gesellschaft sich mittlerweile erarbeitet hat (und mühselig versucht, aufrecht zu erhalten). Aber man kann von ihm eine konsequente Haltung innerhalb eines Buches erwarten. So schwankt er zwischen Geschreibsel über Frauen, die allesamt Führung brauchen, der begeisterten Beschreibung „bosshafter“ Frauen, wie Madonna oder Marie Curie und der Liebe zu seiner „heldenhaften“ Mutter hin und her. Man könnte den Eindruck gewinnen, dass auch der Boss kein gefestigtes Frauenbild hat. Oder war hier wieder Einiges ironisch verzogen?

Das Buch ist, gerade wegen der ständigen Übertreibungen, an vielen Stellen sehr witzig. Besonders liebe ich die andauernden schamlosen Zitate aus seinen eigenen Songs.

Kollegah ist wohl einfach ein lustiger Typ, weshalb ich es nicht sinnvoll fände, das Ganze so bierernst zu betrachten.
Komplett Scheiße ist es dann eben doch nicht (ok, wer alles sehr ernst nimmt, oder Kolle grundsätzlich nicht mag, wird es wohl beschissen finden).

Die Gesellschaft an sich ist so moralisierend und beharrt so starr auf bereits gefundenen „Wahrheiten“, dass sich das Individuum darin permanenter Kritik ausgesetzt sieht. Und zwar jedes einmal. Nicht, dass die Einigung auf gemeinsame Werte schlecht wäre, aber man muss eben schauen, was man jetzt gerade vom Gegenüber erwarten kann, welche Maßstäbe man also ansetzt.
Das ganze Buch schlecht zu finden, weil Kollegah kein perfektes Frauenbild hat, fänd‘ ich irgendwie beschränkt. Ich weigere mich, mir Kunst (oder Selbsthilfeliteratur) aus solchen Gründen zu verbieten oder nicht vollständig zu betrachten. Charles Bukowski, Edgar Allan Poe oder Frank Zappa hätte es unter solchen Umständen niemals gegeben. Ohne Kollegah mit einem davon vergleichen zu wollen… Um Himmels Willen nicht. Ich will nur deutlich machen, dass potenziell Gutes nicht ausschließlich aus moralisch Einwandfreiem entspringt.

Schauen wir uns also den Rest an. Zusammengefasst schreibt der „Boss“ sehr umfassend über wichtige Verhaltensweisen und Werte, die er, unter Nutzung seiner Bekanntheit, vielleicht einer gewissen Vorbildfunktion und einer leicht zu verstehenden Sprache versucht, jungen Männern zu vermitteln:

Sei freundlich/ sei nicht faul/ mach‘ nicht Andere für dein Scheitern verantwortlich/ arbeite an dir/ mach‘ Sport/ ernähre dich gesund/ Koche selbst/ schlafe ausreichend/ meditiere/ übernimm‘ Verantwortung/ halte dich an Absprachen/ lache über dich selbst/ sei diszipliniert/ verbinde dich mit Anderen/ stelle dich nicht über Andere/ tue Gutes/ lasse Andere an deinem Erfolg teilhaben/ genieße was du hast/ denke nicht zu viel über dich und deine Vergangenheit nach/ kenne dich dennoch selbst/ erarbeite dir deinen Reichtum selbst und nimm ihn nicht von Anderen/ sei kein Krimineller/ erarbeite dir und halte einen eigenen Wertekompass… und so weiter und so weiter.

Was soll daran schlecht sein?
Das Buch versucht jungen Typen beizubringen, dass sie sich benehmen und auf sich achten sollten. Der Autor möchte ihnen offenbar ein Beispiel sein und Möglichkeiten aufzeigen, sich zu verbessern.
Kollegah, selbst von seinem Vater verlassen, geht offen mit seiner eigenen Geschichte um und richtet sich an die nächste vaterlose Generation, die Vorbilder dringend nötig hat. Wenn man wohlwollend ist (und das bin ich gerne), dann könnte dieses Projekt für ihn eine Art „Herzensprojekt“ darstellen, das er, neben dem erzielten Ruhm und Kohle Kohle Kohle, mit einer positiven Intention geschrieben haben könnte.

Gerade in einer Zeit, in der die Magazine immer wieder über ein unklares Männerbild und hilflose Jungs jammern (wie unnötig), hat Kollegah hier ein gar nicht so schlechtes Angebot gemacht (was natürlich genauso unnötig sein sollte). Eigentlich, ich lehne mich mal aus dem Fenster, ist es in seiner Umfänglichkeit sogar ganz gut.

Das Hörbuch ist sehr schön gelesen. Kollegah intoniert gut und auch manchmal albern, sodass ich das Ganze wirklich unterhaltsam fand.

Zudem erfährt man Persönliches über ihn selbst, seine Vergangenheit und seine Einstellung zum Leben. Gut, deshalb habe ich nicht angefangen mich damit zu beschäftigen, aber das Mindset von dieser seltsamen Art Mensch zu erfassen, ist schon interessant für mich gewesen.

Deshalb verreiße ich das Buch doch nicht, sondern würde in der Kategorie „Selbsthilfebücher“ 3,5 von 5 Sternen vergeben. Bitte hört es euch aber, falls ihr euch dazu entscheidet, kostenlos an und unterstützt nicht diese Geldgeilheit.
Liebe!

 

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