Interview / Meditation mit The Breed – Zum Album Sexbox

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Die Trap- und Cloudmania war nicht die einzige Welle, welche das Soundbild der letzten fünf Jahre im Deutschrap überrollt hat. Mit dem Plusmacher, Xatar, Ssio oder Schwesta Ewa, sorgten prägende Künstler für ein G-Funk Revival. Damit erhielt eine Geschmeidigkeit Einzug, welche viele Kinder der 90er bei den amerikanischen Begründern des G-Funks heutzutage schmerzlich vermissen. Mal abgesehen von den fähigen Sprechgesangsartisten, die den Flavour ebenfalls perfekt aufleben haben lassen, wäre dieser Trigger ohne die entsprechenden Produzenten nicht denkbar gewesen. Einer davon ist „The Breed“,  das seine cremigen Instrumentale, nicht ausschließlich als Klangteppiche für Rapper fertigt. Bereits letztes Jahr erschien das Beatalbum, „The Beauty and the Breed“, das im gefühlten Lowrider mit zehn Tracks voller Sommerstimmung daher kam. Ein Jahr später steht das nächste Werk bereit, welches dem satt weichem Klang des Vorgängers in Nichts nach steht. Neben ein Wenig mehr R&B-Einflüssen ist es allem voran eine ordentliche Portion Erotik, die das Album vom Letzten unterscheidet. Bevor wir weiter auf Dieses eingehen, ist Euch näher zu bringen, dass es sich bei „The Breed“ um keine nachgewiesen irdische Lebensform handelt. Möglicherweise ist es ein Alien, das sich zeitweise auf der Erde aufhält und dort einen Teil seiner Einflüsse sammelt. Aber auch dies wurde noch nicht nachgewiesen. Wir wollten ein Wenig verstehen und haben uns mittels einer Meditation mit dem Wesen „The Breed“ verbunden, um ihm ein paar Fragen zu stellen.

Vielen Dank, „The Breed“, dass Du von deiner höheren Seinsebene aus mit uns kommunizierst. Mit dem Abstand von einem Jahr zu deinem ersten Album, haust Du nun „Sexbox“ raus. Welch libidinöse Muse hat dich geküsst, dass das Werk diese Marschrichtung erhielt?

Das tue ich sehr gerne. Ich mag das ja bei euch hier unten auf der Erde auch immer. Zum Albumtitel, ich war vor einem halben Jahr eine Nacht in diesem verrückten Laden. So eine Art Nachtclub mit Separees, ganz vielen hübschen Frauen, Standup-Comedians und plötzlich bat mich der Inhaber auf die Bühne. Ich sollte den Laden bespielen und das habe ich dann getan. Diese Nacht war eine Reise durch alle Facetten der freien Liebe und Aphrodisiaka. Ich fand’s auf jeden Fall großartig. Naja und dieser Laden hieß „Sexbox“. Dadurch kam ich auf den Namen und habe den Vibe dieser Nacht in eine komplette LP gepackt. Auf einigen Songs hört man sogar noch einzelne Mitschnitte aus eben dieser Nacht.

Bedeutet es für dich mehr Freiheiten und Verspieltheit an den Tag legen zu können, wenn das Instrumental für sich steht und schlussendlich kein Rapper darauf performt?

Es bedeutet auf jeden Fall, dass das Instrumental für sich alleine überzeugen muss. Meine Platten haben den Anspruch, eben keine Freestylebeats zu sein, auf die du jetzt geil rappen kannst, weil die einfach einen simplen Groove haben und dir als Rapper viel Platz lassen. Solche Beats mach ich dann eben genau dafür. Damit jemand da drüber rappt. Ein reines Instrumental muss da einfach über 2-3 Minuten spannend bleiben und dir nicht das Gefühl geben, dass du in deinem Kopf noch einen Rapper hörst. Dadurch hat man mehr Freiheiten, aber eben auch eine größere Challenge.

Das Album begründet sich nicht ausschließlich auf Samples, sondern beinhaltet auch eingespielte Instrumente. Hast Du hierfür mit bestimmten Musikern zusammengearbeitet, oder kommen auch die organischen Parts von Dir?

Der Großteil ist schon von mir eingespielt, aber bei manchen Beats höre ich dann einfach doch noch ein kleines cooles Add-on. Da würde ich z.B. den Clavinet-Part vielleicht doch mal mit einer Stratocaster-Gitarre ausprobieren, aber meine Gitarrensammlung sowie mein Gitarrengame müsste ich dafür etwas upsteppen..hahaha. In dem Fall arbeite ich gerne mit Musikern zusammen. Je nachdem, was ich gerade brauche. Manchmal spiele ich dann vorher was ein und lass es mir nachspielen oder wir jammen zusammen im Studio und ich singe dann die Sachen vor. Wichtig ist nur, dass man eine klare Vorstellung hat, was man braucht und was man damit später im Track machen will. Mein Go-to Bassist Adrian hat z.B. für mich den Kontrabass auf „Hunnies“ von Plusmacher eingespielt. Da haben mich Einige gefragt woher ich das gesamplet habe…. hahaha… Aber genau das ist es eben. Es dann wieder so klingen zu lassen, als wäre es tatsächlich ein Sample – das finde ich spannend.

 

Die gute alte Talkbox kommt oft zum Einsatz. Ein erfrischend alter Wind im Autotune-Dschungel. Wie stehst Du zu den ganzen Cloud- und Trapgeschichten, die zur Zeit ein Großteil der Szenerie dominieren. Ist dein drittes Album möglicherweise auch vollständig damit durchsetzt?

Ich finde die Entwicklung großartig und freue mich, dass gerade durch das Autotunegeballer sich mehr Rapper trauen auch zu singen. Das gab es ja bis vor einigen Jahren noch große Abneigungen. In den nächsten Jahren werden vermutlich Rapper kommen, die auch singen können, ohne dass sie Autotune brauchen. So wie z.B. Teesy. Und dann werden die Leute feststellen, wie unfassbar eigen ein Künstler klingt, der eben nicht durch Autotune gezogen ist und wie viel geiler das ist. Dann kommen wir hoffentlich irgendwann zu so einem Kendrick Lamar/Anderson Paak-Sound in Deutschland.
Bereits auf der aktuellen Platte habe ich schon etwas mehr moderne Einflüsse als auf „The Beauty and the Breed“ vor einem Jahr. Das ist auch gewollt. Ich bin kein Oldschool-Hänger. Ich feier einfach Musik mit Soul/Funk/Jazz Anleihen. Und Soultrap z.B. finde ich megaspannend. Es ist auch viel waviger den Leuten, die meine Sachen feiern, weil es für sie so eine 90ies Referenz hat, die neue Musik nahe zu bringen und denen da einfach einen neuen Input zu geben. Aber ganz ehrlich, diese 150ste „düsterer Bass-Synth, Glockensynth, 808, Trapsnare-Rolls“-Nummer braucht halt wirklich keine Sau. Sowas läuft bei uns auf Funkayfornia nicht mal mehr auf dem Schulhof.

Was würdest Du vorziehen, deine Beats als musikalische Unterlegung für die nächste Mailänder Modewoche oder dein eigenes Speiseeisimperium?

Ich würde es kombinieren. Die Beats auf der Modewoche laufen lassen und dann die ganzen dürren und ausgehungerten Models in die Sexbox einladen und denen dort ordentlich Eis auftischen. Und dann, was eben noch so passiert in der Sexbox….. HAHAHAHAHA… Karl Lagerfeld würde ich alles bezahlen lassen. Der ist doch ein Funkay-Dude!

Das waren wirklich sehr informative Antworten. Vielen Dank „The Breed“. Wir öffnen unsere Augen und kommen wieder im Hier und Jetzt an. Tiefenentspannt vom besprochenen Album, das im Hintergrund läuft, beenden wir die heutige Sitzung und sind grade noch dazu im Stande, Euch die adäquaten Links zum Album hier zulassen. Das Fanherz darf sich auf eine Limited Pink Vinyl Edition freuen. Bei Merchstore gibt es sogar noch ein Poster und Shirt dazu.

Links The Breed: Facebook // Instagram // Album digital oder körperlich bestellen

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