DITC#16 Defcon, MCE, Tims Line, AlexP, Jake Five, HeMightBe, Schramm Experience, Kkorpus Delikti, Hybreed

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Welch einnehmender Alltagskoitus der Dezember doch dieses Jahr wieder war. In ganz vielen Branchen wird versucht 30 Tage in 20 abzuarbeiten. Das fordert dann so viel Kraft ein, dass man nahezu 10 Tage braucht, um sich von diesem Wahnsinn zu erholen. Geht aber auch nicht ganz auf, denn man ist ja damit beschäftigt Menschen zu sehen, die man eigentlich nicht sehen möchte oder auch das ganze Jahr über zu enspannteren Zeiten treffen könnte. Ich hoffe, diese identifikationsträchtige Ausrede zählt, wenn ich schreibe, dass die letzten regionalen Hip Hop – Releases an mir vorbei geflattert sind, sodass ich sie maximal mit einem flüchtigen Blick bedenken konnte. Da ich das ungern auf mir sitzen lasse und das Jahr 2017 lückenfrei abgeschlossen wissen möchte, wird es Zeit mal wieder nach langer Pause unsere Rubrik „Diggin´ in the Crates“ (DITC) aufleben zu lassen, in der diverse künstlerische Ergüsse aufeinander prallen dürfen.

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Es geht los mit Defcon. „Am Ende sind es nur 28 Lieder geworden“, schreibt er in dem Post, mit dem er ein Trackpaket rausschickt, das Anspielstationen der letzten sieben Jahre beinhaltet. Dieses wurde von Producer und Soundengineer, Synthikat, klanglich auf ein qualitativ gesättigteres Level gehoben. Allen, die ihre Freude an der skurril aggressiven Bildgewalt und der ungebremst aufrichtigen Wut des Grafen haben, wird hier sicherlich eine große Freude zuteil. Viele der bereits veröffentlichen Tracks waren auf Solowerken, aber auch als Features auf Tonträgern von Künstlern aus Defcons Dunstkreis zu finden. Wir geben Euch über den Klick auf das Cover mal den Downloadlink zu Mediafire. Über Defcons Facebookseite gibt es noch ein paar Alternativen.

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MCE ist ganz klar ein Dezemberkind. Vor genau einem Jahr schickte er ebenfalls um die Weihnachtszeit sein erstes Album, „7030“, aus der Leipziger Hemisphere gefühlt über Sachsens Grenzen hinaus. Ohne große Aufregung wird ein Jahr später die „Bauchtaschen EP“ zum würdigen Nachfolger. Im Oktober segelte mit „Ausgleich Adrenalin“ der erste Vorbote inkl. Video nach Außen (Wir berichteten). Inhaltlich könnte man dem selbsternannten Southside Hustler vorwerfen, sich nicht weiterzuentwickeln, wenn er über die Probleme seiner Generation und seines Umfeldes berichtet. Da würde ich aber einhaken mit dem Einwand: Die Wunde auf die hier stetig der Finger gelegt wird, ist eitriger denn je. Außerdem empfinde ich eine gekonnte Verfeinerung des Storytellings und dem Rüberbringen der Milieumelancholie. Neben der Tatsache, dass MCE nach dem mir bekannten dritten Release mit großer Wahrscheinlichkeit noch ein paar gucken lässt, bin ich also sehr neugierig, in welche Dimensionen der junge Leipziger noch vordringt. Ein Klick auf das Cover hier oben führt Euch zum Bandcamplink der EP. Freunde der körperlichen Variante können sich auf ins No Borders begeben und den Tonträger auf CD erwerben.

Wir bleiben im hiesigen Gefilde. Aus dem Leipziger Süden gab es die Tage akustisch auch von Tims Line aufs Maul. Mit dem Video zu „Southsidesparing“ schob er seine EP, „Gossenköter“, unter das Dach der Öffentlichkeit (Freedownload tapez.eu klick hier). Wie bei dem Kollegen MCE wird auf Regionalität gesetzt. Im Piercing & Headshop „Legal“, in der Karl-Liebknecht-Straße 93 Leipzig, gibt es die akustische Kompromisslosigkeit auf CD. Nach anfänglichen Berührungsschwierigkeiten und etwas ausufernden Facebookbotschaften, wirkt Tims Lines Unverblümtheit auf mich inzwischen sehr erfrischend. Einfach mal selber checken.

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Das zweite mal Musik aus dem Hause Dark Dayz in 2017. Im ersten Jahresdrittel brachten Hektik und AlexP zusammen ihre EP „Von Krisen und Kronkorken raus“. Wie zu Beginn der Bandgeschichte von Dark Dayz präsentiert sich Alex auf dem Kurzspieler, „Fahrt ins Graue“ seit Langem mal wieder alleine unter diesem Banner an der Wortfront. An dieser Stelle lassen wir keinen Raum für Interpretation zu und vermelden aus zuverlässiger Quelle, dass bei den Jungs selbstredend alles cool ist. Allerdings muss ich dem vorliegenden Werk auch als großer Hektikfan einräumen, dass es etwas stimmiger als „Von Krisen und Kronkorken“ klingt. Ich erachte die beiden weiterhin als starkes und sich abrundendes Kontrastprogramm. Allerdings scheint „Fahrt ins Graue“ davon profitiert zu haben, dass AlexP sich thematisch nur mit sich selbst absprechen musste. Aus der daraus resultierenden Wartezeit innerhalb des Projekts, scheint sich hier das dezidiertere Abbild einer künstlerischen Schaffensphase ergeben zu haben. Die Romantisierung über den Schwermut der Vergänglichkeit war schon immer ein Steckenpferd von AlexP. Am gekonntesten gipfelt die Fähigkeit dieses Gefühl zu transportieren und zu beschreiben in meinem Lieblingstrack, „Fensterblick“. Dieser weist allerdings keinen großen Abstand zu den restlichen Tracks auf, die genau den gleichen grau-kalten Schleier werfen. Wagt den Klick auf das schwarze Quadrat da oben und holt Euch auf Pay-what-you-want-Basis den Soundtrack zur wunderschönen Jahresendtristesse 2017.


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Kurz mal Pause von den Rappern. Inzwischen fühle ich mich als Leipziger Rapblogger recht verlassen. Nach knapp drei Jahren beschloss Jake Five seinen liebevoll und qualitativ hochwertigen Lokaljournalismus über das von ihm gegründete Portal, RAP CIRCUS, zu beenden, um sich unter anderem wieder mehr auf die Musik zu konzentrieren. Ok, die Begründung ist akzeptiert. Allem voran, wenn dabei Arbeiten wie „Brokefeller“ entstehen. Im Gegensatz zur Vorgängerscheibe, „Pain“, die der Soundtrack zu einem Horrorfilm hätte sein können, finden wir auf der jüngsten Platte warme und treibende Instrumentale vor. Ich drück auf Play, mache die Augen zu und befinde mich mit einem Chevrolet Impala auf dem Highway. Die Bassdrums sind schön bauchig und die Snares/Claps weisen einen Stompcharakter auf, der sich gekonnt mit den geglätteten Funkklängen verbindet. Der Sound erinnert mich positiv an das Berliner/Kölner Produzententrio, The Krauts. Da an dieser Stelle keine Plagiatsvorwürfe entsendet werden, sollte dieser Vergleich nicht unschmeichelhaft daher kommen. Klickt auf das schöne Cover und lasst Euch weiterleiten zu den Erwerbsmöglichkeiten des guten Stücks. Es empfehlen sich außerdem die beiden Videoauskopplungen:


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Ein kleines aber feines Solowerk von HeMightBe. Der Leipziger Produzent schmiedete in letzter Zeit allem voran im Hintergrund die Instrumentale für Kollegen wie Bayz oder Katharsis. Es war mir eine hohe Freude zu beobachten, wie das starke Kollaboalbum, Kathedrale mit Johnny Katharsis, den üblichen Verdächtigen, den Skillz Award ´16 für das Album des Jahres wegschnappte. Im Vergleich zu Jake Fives jüngstem Streich, haben wir mit dem fünf Track straken Tape, „Interpellations“, ein sehr synthetisches Werk vorliegen. Der Eingängigkeit seiner Meldodien bleibt der Beatmaker treu. Bevor ich mich mit meinem musikalischen Halbwissen blamiere, indem ich eine Expertise über die Herangehensweise vom Produzenten an das Werk formuliere, spreche ich lieber eine klare Hörempfehlung aus. Der Link steckt wieder im Klick auf das Cover. Empfehlenswert gestaltet sich auch die Videoauskopplung zu einem der Tunes. Für den Track „How To Deal With Conversations“ wurde ein sehr unterhaltsames Moviepicking bewiesen.

Wen ich ebenfalls liebe und schätze für die visuelle Abrundung seiner Beats ist Produzent Nr. 3 im Bunde, Schramm Experience. Ich mutmaße, er strampelt auf ein Release zu. Die letzten Uploads via YouTube folgen gefühlt treu einer Line. Die experimentellen Variatonen, ergeben durch die Vielschichtichkeit in ihrem Zusammenspiel ein heterogenes Klangbild. Wir verweisen auf den neuesten Upload, „HEBE“, und empfehlen einen angebrachten Facebook Like.

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Es gibt sie tatsächlich noch. Diese Rapper, die sich damit begnügen mit originellen Lines auf streichelnden Samplebeats den maximalen Dopenessfaktor raus zu kitzeln. Ein Hype löst sich damit heute leider noch selten aus. Aber es ist auf jeden Fall erfrischender, als unter Fremdscham zu beobachten wie andere verzweifelt versuchen, den nächsten Trend zu gebären. Kkoma, Escape und Makant von Kkorpus Delikkti bauen ihr Interaktionspotential untereinander mit dem vorliegenden Tonträger, Doppel K Crew, massiv aus. Der Blues des kleinen Mannes wurde bereits mit der Vorabsingle zum Album, „Leg dein Ohr auf die Loop“, unglaublich berührend gepfiffen. Das setzt sich auf dem Album gut fort. Wobei die Jungs auch rougher und auf einfallsreiche Art und Weise gemein sein können, wenn gegen das Habitat ihrer Nichtidentifikationsfiguren geschossen wird. Wer genauer hin hört, dem fällt vielleicht auch auf, dass sich besonders ein Protagonist in Sachen Wortwitz, Silbenpräzision und Punshlinedichte etwas mehr Mühe als der Rest gibt, während die anderen Beiden sich auch gerne mal mit einer von mir gefühlten Füllline zu Frieden geben. Wie eingangs formuliert, harmonieren die drei MCs allerdings so hervorragend zusammen, dass das im Gesamtwerk kaum auffällt. Wer auf geschmeidigen Boom Bap abfährt, wird in der Instrumentalsituation des Albums mit exotischem Samplepicking belohnt. Bei mir entfaltet das Album während einer lässigen Autofahrt subtile Kräfte, wenn ich spätestens nach dem dritten Track voll im Film bin. Neben dem ein oder anderen Identifikationsschmunzler, den es mir dabei entlockt, empfinde ich das als seine größte Leistung. Die Beschaffungskanäle sind vielfältig. Wir haben Euch via Klick auf das Cover die Seite zu Vinyldigital verlinkt, auf der Ihr, und ich denke das ist besonders im Sinne der Jungs, die Vinyl bestellen könnt. Selbstredend bekommt ihr das Album auch auf den gängigen digitalen Portalen im Stream und zum Download.


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Mit dem Track „Der Tag schließt die Augen“ gab sich das Rapper-/Produzentenduo, HYBREED erstmalig der Öffentlichkeit preis. (Wir berichteten). Verbalzungenartist, Thompson, beeindruckte mich bis dato ausschließlich am offen Micro. In diesen Momenten keimte in mir der Wunsch auf, in den Genuss durchdachter Studiomusik von besgatem Künstler zu kommen. In der Allianz mit Producer Malik wurde mir dieser Wunsch erfüllt. Mit sechs Songs stellt sich HYBREED in Form der gleichnamigen EP vor. Ihrer musiklisch technoiden Prägung geschuldet, kultivieren sie dabei einen exzessiven Lifestyle auf sehr eigene Art und Weise. Auf unserem Geburtstag in der Distillery durfte ich die EP in live vorgetragener Form erfahren und konnte mich an dieser Stelle noch etwas tiefer auf den HYBREED-Kosmos einlassen. In der Regel würde ich nach einer kleine Prise mehr Humor zwischen den Zeilen trachten, um die Arbeit der Jungs als vollends perfekt zu empfinden. Doch gerade durch die klare Definition auf bildsprachlicher und klanglicher Ebene ergibt sich allem voran ein luzides Feeling, dem mehr Frohsinn wahrscheinlich Abbruch verschaffen würde. In Summe liegt uns eine äußerst konsequente EP vor. Den einzigen Ausbruch verschafft uns mein Lieblingstrack, „Die mit nach Haus kommt“. Dieser macht mich gleichzeitig neugierig, was passieren würde, wenn das Duett seine klangliche Symbiose vertieft und sich in seiner Vielfalt etwas verbreitert. Besagter Tonträger wartet auf Euch in virtueller Form auf Spotify etc. pp. Mit einem Klick auf das Cover landet Ihr auf dem Bandcamplink.

Welch glorreiche Abschlüsse für das Leipziger Rapjahr 2017. Wie kräftig dieses war, werden wir bei der dritten Ausgabe des Leipziger Skillz Awards nocheinmal zu spüren bekommen. Ich möchte das Ende hier für einen kleinen Apell an Euch Alle nutzen. Schweren Herzens habe ich mich dieses Jahr aus dem Skillzteam verabschiedet, da ich mir einfach zu viele Aufgaben in meinem Leben gesucht habe, sodass ich nicht mehr in der Lage war, all diesen in der gewünschten Qualität gerecht zu werden. Im Jahre 2018 wird es bei mir private Veränderungen geben. Ich kann somit vorerst nicht mehr garantieren, das Leipziger Raptreiben so lückenlos zu kommentieren, wie ich es mir wünschen würde. Da mir ein virtueller Ort jedoch sehr wichtig ist, an dem das Stadtgeschehen dieser Sparte Künstler und Hörer zusammenführt, weise ich nochmal auf die Bedeutung unseres Namens, „It’s Yours“, hin. Schreibt uns eine Mail und wir richten Euch einen Autorenaccount ein oder kommt zu unseren Treffen. Es ist auch kein Problem, wenn Ihr als Künstler somit einfach selber auf eure Releases verweisen möchtet. Zieht Euch gerne auch nochmal den Artikel zu unserem offenen Treffen rein (siehe hier), in dem wir unsere genaue Entstehung und Funktionsweise erklären. Wir freuen uns über jeden, der uns und damit auch die hiesige Musikszene unterstützt. Solltet Ihr jemanden kennen, der jemanden kennt, gebt ihm einfach Bescheid oder teilt einfach unsere Seite mit einem kurzen Aufruf. An dieser Stelle einen herzlichen Dank an alle Künstler und Leser für das mehr als großartige Jahr 2017.

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