DITC # 11 – Aglie „Eisbrecher EP“ & Stylus Mc „Einspunktnull“

Aglie 827 – Der Eisbrecher

Für alle die mit Aglie 827 noch nicht vertraut sind, freut es mich die Gelegenheit zu nutzen, diesen Umstand anhand des Erscheinens seiner neuen „Eisbrecher EP“ zu ändern.

Jeder darf an dieser Stelle aufgrund seiner persönlichen Vorlieben in Sachen Rapskills herausfinden, wie konform er mit diesem sehr speziellen Style geht, aber sollte als urbaner Liebhaber von Sprechgesang auf keinen Fall daran vorbei gelaufen sein. Aglie powert mit sehr hoch geflowter Stimme abgehackt und gezielt auf schöne klassische HipHop-Beats, wie er es bereits auf seiner Anfang 2013 erschienen EP „Die Spitze des Eisberges“ getan hat. Die „Eisbrecher EP“ als direkter Nachfolger hat es in sich und kommt mit klassischem Intro und Cuts daher, um gleich danach mit dem knackigen Kurztrack Prügel auf eigens kreiertem Instrumental einen angenehm schwermütigen Battlepart abzuliefern.

Unmittelbar danach setzt mit Track 3 mein persönliches Highlight „Bares ist Wahres“ ein, in dem der thematisch vielseitige Wahlleipziger einen verzweifelt geplanten Banküberfall technisch und erzählerisch so gut durchlebt, dass man als Agliekompatibler Zuhörer quasi hautnah dabeisein und mitfühlen kann.

Mit überschaubaren Zeitvakanzen im Nacken, will ich Euch nicht vollständig spoilern, aber möchte ein paar Tracks noch hervorheben. Zur optischen Untermalung haben sich der wunderbar verbal präzise Hektik, Alkoholika Prozenta, Wu Doc und Dj Siegesmund für ein reales Video zu dem Track „Katzenfutter“ bestechen lassen. Guckt Euch das mal an:

Aglie und sein 827 Team haben sich die all uns alle umgebende und mit vielen Gesichtern bewaffnete Hässlichkeit als Stärke auf die Brust geschrieben. Immer wieder kommt Sie durch. Besonders auf der mir dazu verständlich erscheinenden Hymne „Falsches Schönheitsideal“. Oberflächliche Schönheitsindizien werden von der Spitze zur Masse weitergegeben, ohne von den Meisten wirklich kritisch in Frage gestellt zu werden. Die ganzen Trendsetter, die vor lauter Styling ihre menschlichen Attribute etwas stiefmütterlich behandelt haben, kriegen an dieser Stelle ihre wahre Hässlichkeit attestiert. Sehr sympatisch !

Der Titel gebende „Eisbrecher“ stellt sich wie vermutet als Mr. Aglie Himself raus, hält aber außer metaphorischer Unantastbarkeit wenig Überraschungen bereit. Dies soll dem Rest der EP aber keinen großen Abbruch verschaffen. Insgesamt ist es eine sehr coole Scheibe geworden. Meine Sympatie für Aglie basierte bisher eher auf persönlicher Basis und ich hatte anfänglich Schwierigkeiten aufgrund seiner sehr eigenwilligen Art zu rappen Anklang zu finden. Nun hat auch mich „der Eisbrecher“ zeitweise abholen können und ich kann nur dazu raten, Wer Bock auf etwas wirklich innovatives verspürt, ist selbst Schuld, wenn er den Weg auf http://www.achtzwosieben.de/ nicht findet, um sich entlohnungsfrei diesem Bedürfnis hingeben zu können.

STYLUS MC – EINSPUNKTNULL

Für die treuen Its Yours Rapheads sollte es sich bei STYLUS MC um kein unbeschriebenes Blatt mehr handeln. Im Januar gewährten wir Euch bereits einen kurzen Einblick in sein sich aktuell zeichnendes Lebenswerk und am 23.04. hatten wir ihn zusammen mit seinem musischen Äquivalent Kritikal 27 in der It´s Yours Radioshow zu Gast. Daher befassen wir uns nun ausschließlich mit seinem aktuellen Release, der am 08.08.2014 erschienenen „EINSPUNKTNULL EP.

„Gib ihm nur 3 Minuten Fame“

Neben der von Arwid Wu mal wieder exzellenten Visualisierung zum für sich selbst sprechenden Track „Kopfsache“, lohnt es sich gemäß Stylus Aufforderung in dem Song „3 Minuten Fame“ ihm eben diese zu schenken. Wer ihm mehr davon widmen möchte, erhält 7 starke Tracks bei der digitalen Version der EP, die Euch der der in Leipzig / Gohlis wohnhafte Rapper sogar kostenfrei zur Verfügung stellt. Beim käuflichen Erwerb der physischen Ausgabe, gibt es zur Belohnung sogar noch ein Lied als Zugabe.

EINSPUNKTNULL trumpft mit einem der Gesellschaft gegenüber wachsamen Hauptdarsteller auf, dem sehr daran gelegen ist, außerhalb von hektischen Sphären seinen Ambitionen nachzugehen. Dabei geht es natürlich in erster Linie um seine Musik. Im Track „Luxus“ wird unbeschönigend die Maßlosigkeit des kleinen Mannes bis hin zur High Society treffend erfasst. Dem gegenübergestellt zieht sich über die weiteren Lieder konstant die Wertschätzung des eigenen Künstlerdaseins.

Wie es sich für selbsbewusste Mc´s gehört, gelingt natürlich auch die unterhaltsame Überzeugung der persönlichen Richtigkeit über Stilempfinden im Vergleich zu den dissonanten Verwirklichungsarten der Gegenseite. An diesen Punkten muss man sich nicht immer gespiegelt fühlen, um die Tracks genießen zu können.

Solide pumpende Beats begleiten das Gefühl aufgefrischter Werte aus den etwas jungfräulicheren HipHop-Tagen. Irritierenderweise komme ich schwer davon weg, in wiederkehrenden Abständen bei STYLUS eine phonetische Verwandschaft zu Samy Deluxe empfinden zu müssen. Aber selbst das sollte dem gezielten Klientel, die diese Empfindung teilen kann, mit Sicherheit eher zusagen.

Für alle die HipHop nicht allzu unernst nehmen ohne dabei in einem Anfall von Beschützerinstinkt zu verkrampfen, lohnt es sich „Einspunktnull“ eine Chance zu geben. Wir sind gespannt auf die Folgeerscheinungen und freuen uns weiterhin darüber berichten zu dürfen.

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