Bloginterview mit Defcon zum Mixtape-Album „Ragemode“


Anfang April empfing er bei der Verleihung der ersten Skillz Awards im UT Connewitz den Organisatorenpreis für die Punchline `15 („Wenn ich nicht gerade überleg wie ich mich umbringen kann, guck ich mir auf Facebook Bilder von deiner Familie an“. Aus dem Track Tote Leiche die grad stirbt). Nach zwei Kollaboalben mit Kollege Etogate in 2015 lieferte der Reudnitzer Schreischrat Defcon am 06. März diesen Jahres ein Soloalbum namens „Ragemode“ ab. Damit wurde eines der, meiner Meinung nach, unterhaltsamsten Leipziger Alben des Jahres bereits im ersten Quartal released. Am liebsten lässt das Leipziger Original seine Musik für sich sprechen. Umso erfreulicher, dass wir uns mit ihm etwas über seine Musik austauschen durften.

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„Ragemode“ zum freien Download verfügbar. Klickt einfach auf das Coverbild.

Edgar/ It´s Yours: Moin Defcon, dein aktuelles Album heißt „Ragemode“. Der Name ist Programm. Sind Wut und Raserei der Hauptantrieb in deiner Musik, oder was genau hat dich zum Titel inspiriert?

Defcon: Auch wenn es zum größten Teil um Spaß an der Musik geht, spielt so was natürlich auch eine große Rolle. Einfach mal alles ablassen, ohne um den großen Brei zu reden. Der Titel „Ragemode“ ist mir spontan eingefallen.

Edgar/ It´s Yours: Ok, cool. Logisch, dass Musik als Bestandteil deiner Freizeit auch viel mit Vergnügen zu schaffen hat. Dennoch habe ich das Gefühl, dass „Ragemode“ etwas ernster gemeint ist, bzw. näher an deiner Person liegt als deine Kollabo-Projekte. Ist da was dran?

Defcon: Ja allerdings. Ich habe mit dem Album auch für mich abgeschlossen, wenn du so willst. Es hat halt vom Zeitpunkt, und von der Gefühlslage her, gut gepasst. Ein paar Tracks von dem Album sind von 2014, die noch unreleased waren, aber einfach mit drauf mussten. Es ist für mich eigentlich ein Unding, Tracks so lange liegen zu lassen, aber ich wollte dann doch so ne gewisse Atmosphäre haben, die das Ganze umschließt.

Edgar/ It´s Yours: Warum lässt du Tracks nicht so gerne lang liegen?

Defcon: Ich würde natürlich, wie viele andere auch, gerne alles direkt raus hauen, was ich recorde. Aber so was geht halt nicht, wenn man sich dazu entscheidet, ein Album zu machen. So sammelt man Tracks an, die einen irgendwann einfach nur noch nerven. Gerade dann, wenn sich das mit dem Releasen noch weiter verzögert, da man vielleicht nebenbei noch andere Projekte am Laufen hat. Zudem würde ich behaupten, dass man sich natürlich weiterentwickelt und nicht mehr so ganz hinter den „älteren“ Sachen steht. Für mich selber geht dann halt einfach irgendwann der Enthusiasmus für die Tracks verloren, auch wenn sie noch keiner kennt.

Edgar/ It´s Yours: Ein persönlicherer Track auf dem Album ist für mich „Dezember“. Du sagst dort „Defcon ist mir ein wirklich guter Freund geworden“

Wenn wir von Defcon als Kunstfigur sprechen, was macht die Freundschaft zwischen ihm und dir als Mensch aus ?

Defcon: Ich kann in der Musik einfach alles raus lassen, wie ich will. Egal ob selbstreflektierend auf Thementracks, oder halt auf der Battleschiene- wo wir wieder beim Spaß an der Musik wären. Ich bin jetzt nicht der tausendste Rapper, der dir sagt, dass die Musik für mich wie ein Ventil ist, was sie halt auch nicht ist, aber ich kann halt alles kanalisieren, wie ich lustig bin. Je nach Gefühlslage.

Edgar/ It´s Yours: Was du beschreibst, klingt für mich schon etwas nach einem Ventil. Aber wenn ich dich richtig verstehe, trennst du ganz klar zwischen Musik und der Konfliktbewältigung im Alltag?

Defcon: Ja

Edgar/ It´s Yours: Cool. Ist nicht das erste Mal, dass ich mir die Antwort selber gebe. Ich wollte es für die Leser nur nochmal herausgestellt wissen.

Wenn ich an Defcon denke, fallen mir Lines ein, wie: „Ich versuch´ aus Spaß auf Lateinisch zu freestylen und beschwöre einen Dämon, der aus dem Boden kommt und deine Mutter fickt“ (Aus dem Track „Lumberjackrap“ auf „Ragemode“). Solche Lines unterhalten mich zwei Tage. Auch, wenn du wie im Track „Spießrutenlauf“ „mit einem Ghettoblaster durch Silent Hill“ läufst, merkt man, deine Sprache ist sehr bildhaft. Das fiel mir schon auf dem ersten Track, „Kobold“,auf, den ich von dir gehört habe.

Wie kann ich mir das Zeichnen dieser Bilder vorstellen? Überträgst Du Alltagsphantasien und das Instrumental liefert das passende Fundament?

Defcon: Das ist halt einfach mein Humor und der Hang zum Sarkasmus. Die Beats holen eh am meisten raus! Eigentlich hat man immer Textideen, die man versucht auszubauen, aber manchmal schreibste halt einfach drauf los und guckst was passiert.

So komplett überzogenen Humor, bis es vielleicht gar kein Sinn mehr ergibt, à la Monty Python, fand ich, zum Beispiel, schon immer sausymphatisch.

Edgar/ It´s Yours: Großartiger Humor. Gut, dass du von Beats sprichst. Deine Beats erfreuen sich großer Beliebtheit. Auf „Ragemode“ befindet sich nur einer aus deiner Schmiede. Stilistisch würden deine eigenen Instrumentals auch gut zu deinen Themen passen. Warum fühlst du dich auf anderen Klangteppichen wohler?

Defcon: Ehrlich gesagt, war der Track „Spießrutenlauf “ auch nur ein Remix. Ich hatte den erst auf einem Beat von Nash vertont, aber der hat am Ende nicht ganz so zur Atmosphäre von Ragemode gepasst.

Ich vertone, wenn´s hochkommt, vielleicht einen von hundert Beats, die von mir sind. Ich kann nach dem ganzen Hin und Her (beim Basteln) einfach nix mehr damit anfangen.

Ich komm einfach nicht mehr rein beim Schreiben, wenn ich die zu lange hören muss und bin schnell genervt von meinen eigenen Sachen. Ich find´ es wirklich erstaunlich, wenn andere Rapper komplette Alben mit ihren eigenen Beats schmücken. So was würde nie funktionieren bei mir.

Edgar/ It´s Yours: Verstehe ich. Zu Zeiten deines ersten Albums, „Da Haste“, wusste keiner, der dich nicht persönlich kennt, wie du aussiehst. Ab dem Cover zu „Reudig“, dem gemeinsamen Album mit Etogate, und ein paar Videos, konnte man dich auch richtig sehen. Auch auf dem Cover zu „Ragemode“, blickst du dem Betrachter direkt ins Gesicht. Hat sich da etwas in deiner Einstellung verändert?

Defcon: Ich hatte eigentlich nie direkt eine Einstellung dazu. Ich wollte halt nicht erkannt werden, falls mal ein Arbeitskollege aus Versehen darüber stolpert oder so. Hab einfach keine Lust auf komische, nervende Fragen. Und rechtfertigen will ich mich halt auch nicht, da ich eh weiß, dass Der- oder Diejenige das eh nicht verstehen würde… Weshalb, warum, usw. Ich weiß halt ganz genau, was dieses Rap-/ HipHop-Dingens für einen Ruf hat in unserer Gesellschaft. Und ich hab null Bock, mit 1000 Klischees in Verbindung gebracht zu werden. Bei dem „Ragemode“ Cover… ja…, wenn ich die Zeit zurück drehen könnte, hätte ich das im Nachhinein auch anders gelöst. Aber mit der Maske auf dem Cover wäre mir das dann auch zu affig gewesen.

Edgar/ It´s Yours: Ein Rapper mit Maske. Das wäre doch mal was. Was erwartet uns in Zukunft von dir? Ist schon was bekannt – egal ob Solo oder in Teamarbeit? 

Defcon: Hab ne EP angefangen, die ich im Sommer raus hauen wollte, … falls ich fertig werde und Lust habe. Ende des Jahres werde ich dann wohl mal so eine Art Trackpaket machen, mit allen Features, unreleasten Parts und Remixen aus den letzten Jahren.

Dürften dann so 30-40 Tracks/ Parts werden. Zudem werde ich mich nächstes Jahr nochmal an den Beats versuchen. Jetzt, so nach einem Jahr Pause.

Edgar/ It´s Yours: Cool, cool. Ich freu´ mich drauf. Danke, dass du dir Zeit genommen hast.

Defcon: Jo. 

Besucht Defcon auf seiner Facebook – Seite. Ragemode gibt es auch als CD. Schreibt ihm einfach eine kurze Nachricht bei Interesse.

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