Schmeichel – Alteration EP

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Bei der diesjährigen Defrostatica Releasedichte kommt man ja kaum hinterher. Erst im März feierte die Rogue Style 2 EP ihr Release (Wir berichteten). Kommenden Freitag, den 27. April 2018 erblickt die Alteration EP des Leipziger Künstlers Schmeichel das Licht der Schallplattenläden.

Im folgenden kurzen Interview spricht Schmeichel über Genredefinitionen, seine Inspiration und er gibt uns einen kleinen Einblick in seine Arbeitsweise. Dazu gibt es schonmal exklusiv die EP zum vorhören (Danke Defrostatica!).


Du bist schon länger in der Beatmaker-Szene zu finden und hast schon einige Releases, z.b. mit dem OverDubClub oder Pattern // Select, auf den Markt geworfen. Mir fällt auf, dass du Dich vom klassischen Beatmaker Sound a la OverDubClub bis zu experimentellen Klangwelten und dazwischen bewegst. Woher nimmst du Deine Inspiration?

Ich denke Inspiration ist ein Geschenk dem man Zeit geben muss. Ich höre viel Musik unterschiedlichster Art und frage mich oft was es ausmacht, dass ein Tune, eine Melodie, Songzeile etc. hängen bleibt und mich in meinen Bewegungen begleitet. Manche wirken so stark auf mich, dass ich sie benutze und sie in meinen Prozess integriere. Beatmaking hat für mich teils mit Musik machen zu tun teils mit Prozess (soundprocessing). Diesen immer wieder aufzunehmen und wirken zu lassen und meinen Ist-Stand mit einfließen zu lassen ist denke ich meine Herangehensweise. Inspiration liegt überall. Man muss sie nur zulassen und verarbeiten. Genredefinitionen widern mich ein eigentlich an. Auch wenn es unumgänglich ist Musik mit ein oder zwei Begriffen zu definieren, versuche ich hiervon Abstand zu nehmen. Musik kann vieles sein. Es ist nicht ganz klar wann uns welche Musik gefällt und Warum. Das ist auch das was mich am Beats bauen am meisten fasziniert. Es hat weniger mit Genres zu tun als beispielsweise eine Bandformation.


Bist du ein Konzepter und haben Deine EPs oder LPs einen roten Faden bzw. möchtest du eine Geschichte erzählen? Oder zählt eher der Gedanke „jeder Track ein Hit“?

Konzept? mhhh. Ich mache sehr viel in meinem Studio. Manchmal ohne vorher einen festen Plan zu haben. Manchmal mit einer Vision die ich im Track bauen verfolge. Eine EP oder LP zusammenzuschustern ist nicht leicht. Immer wieder die Tracks hören und am Sound feilen ist teils Herausforderung und teils Vergnügen. Früher hatte ich eine Richtung in die ich mich und meinen Sound entwickeln wollte. Irgendwann habe ich dann den Moment als wertvollstes Gut betrachtet und versuche nun meine unterschiedlichsten Ist-Stände im Studio für mich hörbar zu machen. Die Zusammenstellung einer Platte ist immer spannend. Ich versuche mit den Veröffentlichungen sinnvolle Hörlandschaften zu bauen die meine Arbeit im Studio wieder spiegeln. Dabei achte ich nicht wirklich auf Clubtauglichkeit, Genredefinitionen oder sonstige Grenzen die wir uns nur selbst in den Weg räumen.

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In fast allen Stücken spielen Samples die Haupt- oder Nebenolle. Baust du Deine Tracks um das Sample oder kommt die Idee für ein bestimmtes Sample beim produzieren?

Sampling ist ein gewisses Statement. Du kannst aus fast allem alles bauen. Bist eigentlich nur durch deine eigene Vorstellungskraft eingeschränkt. Ich spiele auch sehr gern selbst Sachen ein jedoch habe ich irgendwo immer ein Sample verbaut. Macht meiner Meinung nach auch Sinn, da mit jeder Sekunde die Libary wächst und wächst. Mein Prozess im Studio ist nie der selbe. Auch wenn ähnliche Elemente immer mal wieder vorkommen, ist es doch irgendwie immer neu. Von daher kann ich keine Verallgemeinernde Aussage hier treffen. Nimm es wie es kommt. Egal ob von Youtube aufnehmen, von Platte ziehen oder selbst einspielen.


Die Alteration EP ist für mich viel „Club-tauglicher“ als Deine anderen Releases. Hast du dich an der musikalischen Ausrichtung von Defrostatica orientiert? Wie ist die Zusammenarbeit entstanden? (Und wie fühlt es sich an, wenn Om Unit den eigenen Track in einem Mix verbaut?)

Ich hab mit der Alteration EP schon versucht den Geist von Defrostatica zu treffen und dennoch meinen Schmeichel Sound nicht allzu sehr zu verbiegen. Ich denke das ist mir gelungen. Tanzbar ist auch nur eine Sache der Auslegung. Von welchen Clubs wird hier überhaupt gesprochen? Ich habe 2015 angefangen mich für Footwork zu interessieren. Gerade die dreckigen Tracks haben es mir angetan und ich habe mich weiter in das Genre eingehört und angefangen selbst Tracks zu spielen mit 160 Bpm. Stück für Stück habe ich auch selbst in meinen Produktionen die Dynamik und Geschwindigkeit eingebaut die Footwork Tracks ausmachen. Ich bin mit der Kator EP Get Stacked auf das junge Label aufmerksam geworden. Habe dann Demos hingeschickt und in diesem Prozess ist die Platte dann entstanden. Danke hier nochmal an Robert und Tina. Das Om Unit meinen Track spielt ist natürlich ziemlich cool. Tim Parker von Mixcloud (NTS You’ll soon know Show) spielt auch hin und wieder einen Track. Bin mit ihm im Austausch und ich schicke ab und zu mal ein paar Waves. Ein gutes Gefühl das Menschen die von so unheimlich viel guter Musik umgeben sind mich auf dem Schirm haben. Verändert jedoch nichts an meinem Prozess den ich mit jedem Bit und jedem Tune durchgehe.


Da es mir meistens sehr schwer fällt einen Sound sprachlich wiederzugeben, versuch du doch mal den Sound der Alternation EP zu beschreiben.

Ich versuch Tunes zu schrauben die ehrlich und nicht effekthaschend wirken. Musikalisch versuch ich Grenzen zu sprengen und immer wieder meinen eigenen Sound zu finden und für mich zu definieren. Steve Martin hat mal gesagt „Über Musik sprechen ist wie zu Architektur tanzen“. Ich halt mich an diesen Spruch. Musik ist ein individuell persönliches Erlebnis und hat nichts mit Grenzen oder Abgrenzung zu tun.


Am 27.4. ist Release-Day. Wird gefeiert?

Am 27.4. ist eine Video Premiere zu einem Track der Platte. Ab 19 Uhr spiel ich im VARY (Eisenbahnstraße 7) Tracks die ich benutzt habe und andere Joints aus dem Schmeichel-Universum. Ab 21 Uhr kommt dann das Video.

Release Party ist dann am 30.4. mit Sarah Farina und den LabelHeads Tina & Robert im neuen Club Mjut. Freu mich sehr, dass wir dort einen Ort gefunden haben der Hauptaugenmerk auf Sound und Awareness legt. Feiern ist für mich nicht unpolitisch und hat sehr viel mit einer guten Darstellung von Sound zu tun.

 

Vielen Dank Schmeichel, für deine ausführlichen Antworten!

 

Veranstaltung 27.4. VARY
Veranstaltung 30.4. mjut

Alteration EP bei bandcamp
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Defrostatica bandcamp

 

 

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