Manchester Special Teil I: Interview mit Dub Phizix & Strategy

Ihr erinnert euch vielleicht: Zur diesjährigen IT’S YOURS Birthday-Partey hatten wir Besuch aus Manchester: Dub Phizix und Strategy ( (Exit Records/Estate Recordings, UK) waren am Start, um auch die letzte Arme verschränkende Geburtstagskerze anzuzünden.
Bevor es in der Tille losging, hatte ich mich mit den Jungs getroffen, um ihnen noch ein paar Fragen zu stellen. Bei feinster Fahrstuhlmusik und Getränkekreationen, die sich wahrscheinlich nur Engländer ausdenken können, haben wir darüber geredet, was Manchester von London unterscheidet („It’s just better, innit?“), warum Indianer cooler sind als Cowboys und was das A und O am eigenen Geburtstag ist.

„The weather has a big effect on the city. So does football and so do I.“ (Strategy)

Die erste Fragerunde, ich geb es zu, muss meinem andauernden Hypezig-Dusel geschuldet sein, einem Schwindelgefühl ausgelöst von Durchblutungsstörungen durchs viele Fäuste Ballen. Ich hoffe, es bleibt mir nicht als chronische Beschwerde erhalten, eine Stadt nur noch im Vergleich zu einer anderen einschätzen zu können, aber für mich ist London eben immer noch the world capital of Drum’n’Bass, also Jungs, was hält euch in Manchester?

„For me the most inspiring place on earth is Manchester at the moment so there’s absolutely no way I’m leaving.“

Ich fand Dub Phizixs erstes Argument schon überzeugend, aber es gab noch mehr davon. Die beiden sagten, sie schätzen vor allem die Nähe und den Zusammenhalt; dass alle zusammenarbeiten und es Konkurrenzverhältnisse wie in London nicht gibt.

„I think Manchester’s a lot more close together. I could go to London tomorrow, act like a maniac and do lots of crazy shit and never see anybody again. In London you never bump into the same people again. In Manchester you go out one night and do something crazy and you’re gonna be the talk of the town the next day.“ (Strategy)

Sie sind mit dem musikalischen Erbe der Stadt groß geworden und irgendwie stolz darauf, sagen sie, aber sie wollen auch etwas Neues schaffen. Joy Division, Oasis – auf diesen Namen kann man sich nicht ewig ausruhen, es muss weiter gehen. Und statt zwei weitere „x-beliebige“ Typen zu sein, die Drum’n’Bass machen, haben sie es nun geschafft die Typen aus Manchester zu sein:

„In terms of trying to put music out you need another dimension to what you do. I think you need something else rather than just being a guy who makes Drum’n’Bass. We’re kind of known as them guys from Manchester and although that was a lot harder in the first place because people didn’t really notice Manchester. Now it’s a reason to remember it.“ (Dub Phizix)

„We’ve been doing music for a while and I think if we would have moved to London earlier in our career we might have got further but I think our career would have been a lot shorter whereas we took the long route. It took us a long time to get where we are at the moment – even now I’m a ‘newcomer’. But that has always been the challenge to do it from our home city and spread from there.“ (Strategy)

„This year I win the newcomer and next year I get the lifetime achievement award.“ (Strategy)

Mit der argwöhnischen Betonung des Wortes „Newcomer“ spielte Strategy vor allem auf die Nominierungen für die Drum&Bass Arena Awards an, die nur wenige Tage vorher bekannt gegeben wurden: Er selbst war als Best Newcomer MC im Rennen, Marka als Best Track und Best Video 2012. Eine Ehre ist es schon, sagte er, wenn auch mehr, weil es zeigt, dass Leute für ihn voten und ihn unterstützen. Aber es gibt andere Sachen in seiner musikalischen Karriere, auf die er genauso stolz gewesen ist. Denn genau hier liegt der bittere Beigeschmack auch begründet, den so eine Nominierung in der Newcomer-Kategorie mit sich bringt, wenn man schon seit Jahren Musik macht:

„A lot of people who know me think it’s funny. I’m taking it as a compliment but I’ve been nominated as a newcomer, so obviously I’m an overnight successor. But at the same time as it is flattering people should know that I’ve done music before.“ (Strategy)

„And as for the tune getting an award for me it’s more like your peers and almost your idols and people you’ve always wanted to kind of support you music, turn around and say ‘Yeah, that was a wicked tune, you did really well on that.’ And even for anybody to come up and say ‘You really inspired us.’ that to me is the biggest compliment you can give a musician or any creative person to say and people have come up and said that and I was like ‘Wow, fuck, that means a lot.’ Don’t get me wrong, I won’t say no to an award but I prefer the fact that hopefully people take what we’ve done and then run with it and then they create something new from that and that carries on this music.“ (Dub Phizix)

„There’s a lot of things people can say about Marka but one thing they can’t say that it’s contrived.“ (Dub Phizix)

Und wo ich nun einmal mit zwei Dritteln der Marka-Macher an einem Tisch gesessen habe, nachdem ich das Ding seit Monaten gefeiert hatte, wie gefühlt alle Menschen der Welt auch (die diese Musik hören), musste ich das Thema natürlich auch ansprechen.
Denn neben dem Hype war bei mir auch der Eindruck hängen geblieben, Dub Phizix selbst wäre nicht der größte Fan des Tunes.

„I certainly don’t think it’s my best tune and if you would have asked me which would be my Top 3 before Marka came out or before Marka started getting popular it would have not been in there.“ (Dub Phizix)

Seine Favoruiten wären eher Soul Remembers, The Editor und ein bisher unveröffentlicher Track, fügt er hinzu, aber die Aussage, er würde Marka nicht gut finden, den hätten die Leute ein bisschen zu ernst genommen. Er und Strategy sind sich einig, dass sie Tunes gemacht haben, in die sie mehr Zeit und Aufwand investiert hatten, aber so läuft es eben manchmal. Und wer würde schon etwas anderes behaupten, als dass das auch völlig in Ordnung ist so?!

„I think it’s pretty important to know that we didn’t spend too much time on it, it was a totally natural process making the tune. We didn’t really think too hard about it.
And it’s not that I don’t like the tune. It’s done much for us, we can’t dislike it. But when everyone started going mad about it – I didn’t see that coming, that’s all.“ (Dub Phizix)

„It’s music at the end of the day. You put out a volume of material and you never gonna guess which one’s gonna be the one. But you hope that somewhat is and hopefully it opens the door to the rest of our music and that’s a good thing.“ (Strategy)

Bliebe nur noch die Frage, was es mit den Indianer-Kostümen aus dem Video auf sich hat. „You’ve seen YMCA?“ Ja, aber natürlich. Und auch wenn das die Indianer-Thematik klärt, so wirft es doch im gleichen Moment die Warum-nicht-Cowboys-Frage auf. Aber auch hier, klare Ansage: Brokeback Mountain war wohl nicht so der Lieblingsfilm der beiden. Schwupps, da war ich raus, denn den hab ich nicht gesehen. Aber immerhin, jetzt wissen wir, woher die Exit-Jungs so ihre Video-Inspirationen haben, richtig?! Fast.

„The video was my idea and I just I remember we had a call from Exit saying we got a small, tiny, few pennies of a budget to do a video. I payed for the costume myself – I had to pay for it cause otherwise I would have got arrested, but that’s a whole different story. Yeah, I bought it now, but let’s not confuse everybody. I’ve listened to the song and I was thinking what might suit and I was thinking of a shaman kind of thing.“ (Strategy)

Jetzt wissen wirs wirklich.

„I’m more likely to support someone shit like Liverpool than doing something completely different than I do now.“ (Dub Phizix)

Nach einem so erfolgreichen Jahr („We’ve been doing a lot of travelling and a motherfucking lot, a lot of partying.“) steht ein vielversprechendes Neues an.
Sie haben einen gewissen musikalischen Hintergrund, sind aber an einem Punkt angekommen, an dem sie nur gute Musik machen und mit verschiedenen Leuten zusammenarbeiten wollen, von denen auch niemand einem bestimmten Genre zugeordnet werden kann, sagen sie. Was die Styles betrifft bleibt also alles beim Neuen.
Strategy erzählte von Estate Recordings: Die Crew um Label-Chef DRS hat ein neues Studio bezogen und bastelt weiter an genresprengenden Musikbomben.
Von Dub Phizix gibt es neue Releases: Sein Remix für Gaza von Chimpo & Trigga ist bereits auf Stripe Records erschienen und 2013 kommt ein neuer Tune auf Ingredients raus.

„All the folks buying you a drink!“ (Dub Phizix)

Die Brandy-Colas waren so gut wie alle, als wir noch einen letzten wichtigen Punkt zu klären hatten. IT’S YOURS hatte Geburtstag also wollte ich natürlich noch wissen, worauf es ihrer Meinung nach ankommt an so einem Tag und die Antworten hätten nicht unterschiedlicher ausfallen können: Während Dub Phizix sich von allen einen ausgeben lassen wollte, kamen bei Strategy dunkle Erinnerungen an seinen letzten Geburtstag hoch: Der Verlauf des Abends wurde mir in all seinen schillernden, Methanol-getränkten Details geschildert, aber irgendwo zwischen Wodka und der Flasche Champagner hats mir vom Zuhören schon so im Kopf gedreht, dass ich den Faden verloren habe.
Strategys Tip für Geburtstage im Allgemeinen und verspätet für den, den wir am 20.11. gefeiert haben, werd ich euch natürlich trozdem nicht vorenthalten: „For your birthday, pace yourself tonight, cause it’s gonna be fucking mad!“

„Mad“ unterschreibe ich hiermit und schlage vor, dass wir uns den „pace yourself“-Teil für nächstes Jahr merken. Haha. ALS OB.

Cheers!

Links:
Dub Phizix‘ Website
Dub Phizix auf Facebook
Dub Phizix auf Soundcloud
Strategy bei Elastic Artists

…und jetzt noch Teil II, das Interview mit DRS, lesen

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