IT’S YOURS Exclusive 008 | Shape

Die achte Ausgabe des IT’S YOURS Exclusive Mix kommt von Shape. Bevor ich überhaupt ein musikalisches Bild von ihm vor Augen – oder besser in den Ohren – hatte, fiel mir auf, dass ich seinen Namen immer wieder in unterschiedlichsten Party-Kontexten wahrnahm: Von der Schubladen-Verweigerungs-Veranstaltung Style Wild, über das bisherige (Dām) Funk-Highlight des Jahres bis hin zum Bristol Dub-Techno Takeover mit der Livity Sound Gang – überall mischte er mit. Das blieb hängen und ein Blick auf sein Mixcloud-Profil bestätigte den ersten Eindruck, dass hier ein vielfältiger DJ am Werk ist. Grund genug und allerhöchste Zeit für ein Interview und einen Exclusive Mix also.

IT’S YOURS: Wo kommst du her und was hat dich nach Leipzig verschlagen?

Shape: Ich komme ursprünglich aus einer Kleinstadt in Ostthüringen und habe seitdem ein paar Male die Städte gewechselt. Nach Leipzig hat mich die ausgewogene Mischung an Groß- und Kleinstädtischem gebracht. Es gibt für mich hier ein erfüllendes Angebot an Kunst und Kultur, aber auch noch fruchtbarem Boden für Entwicklungen. Es gibt eine Menge toller Läden, an denen ich genauso schnell bin wie in der Natur. Das Leben ist erschwinglich und ich mag die Mentalität der Leute. Leipzig hat die richtige Geschwindigkeit für mich, alles wirkt etwas entspannter und authentischer als in meinen vorherigen Wohnorten, was mir sehr wichtig ist.

In deiner about section werden Bootsy Collins und D’Angelo erwähnt. Spielen die beiden eine besondere Rolle für dich und wo liegen deine musikalischen Wurzeln?

Bootsy Collins und D’Angelo habe ich in dem Text eher als populäre Sinnbilder für die beschriebene Funkiness und den Soul verwendet. Diese sollten eher als breiter zugängliche Metaphern dienen, was den Hörer bei mir erwartet. Ich mag Bootsy Collins für seinen Ausbruch auf seine Art, aber auch generell Funk für seine Art der Rebellion. Musikalisch würde ich aber den Einfluss von ihm, dem von D’Angelo definitiv unterordnen. Er gehört neben Interpreten wie A Tribe Called Quest, Reflection Eternal, The Pharcyde, Mos Def, Pete Rock, Gangstarr oder Mobb Deep, um ein paar zu nennen, zu meinen musikalischen Ziehvätern (respektiv –müttern). Rap, inbegriffen ganz nah verwandten Genres (siehe D’Angelo), war meine erste leidenschaftliche Hingabe zur Musik.

Wann und wodurch bist zu den elektronischeren Klängen gekommen?

Inwieweit etwas elektronisch klingt, ist für mich etwas breiter auszulegen. Das, in der Rapmusik hauptsächlich verwendete Sampling, hat klangtechnisch für mich, in seiner Abgehacktheit und Wiederholung, einen elektronischen Aspekt und gehört daher von Anfang an mit dazu. Das Interesse für Stücke mit Samples, die nicht auf klassischen Instrumenten und stattdessen auf Synthesizern oder Drummachines basieren, hat auch zeitig begonnen. Raise It Up von Slum Village zum Beipspiel, gehört für mich auch zu einer sehr frühen Phase, da ich erst zwischen 1999 und 2000 musikalisch gewurzelt habe. Gegen 2003/2004 hat Drum’n’Bass und Grime für mich eine Rolle gespielt. Ich fand die Kälte und Härte damals ziemlich mitreißend. Währens meines Zivildiensts 2006 bis 2007 im Kassablanca in Jena habe ich den Zugang zu House und Techno gefunden. Die ganze Mischpoke um den Verein, die Wighnomy Brothers, das Krause Duo, Ilja Gabler oder DJ Légères haben elektronische Musik gespielt oder auf eine Art und Weise eingebunden, die mich zu der Zeit und bis heute noch sehr beeinflusst. Pi mal Daumen 2008/2009 wurde dann die ganze Beat- und Dubstepkultur zu einem zentralen Element für mich. Zu wichtigsten Wegbegleitern gehören da Mark Pritchard, Hudson Mohawke, große Teile der Brainfeeder Crew um Flying Lotus etc., aber auch Radio-DJs wie Benji B, Mary Anne Hobbs oder Lefto. Darüber hinaus gehören auch Bands wie Portishead oder Radiohead zu wichtigen Einflüssen, die ich in den großen Topf „elektronischer Klänge“ werfen würde.

Was muss Musik an sich haben, um dich zu begeistern?

Musik verändert sich von Tag zu Tag. Genauso wie derjenige, der sie hört. Ich bin mit Rap groß geworden und deshalb spielen für mich, glaube ich, eine gewisse Gebrochenheit und Vocals eine Rolle, um mich zu begeistern. Trotzdessen, selbst damit lässt sich nicht pauschalisieren, was bei mir den Puls höher schlagen lässt. Teilweise habe ich schon versucht Ausschlussgründe für meine Neigungen zu finden, aber selbst da musste ich zum Beispiel meine Grenzen gegenüber zu ausgedehnter Schmalzigkeit einreißen. Darüber hinaus kann ich nicht sagen, was mich morgen den Lautstärkeregler aufdrehen lässt.

Erzähl uns ein bisschen über den Mix, den du für uns zusammengestellt hast.

Wenn ich einen Mix aufnehme, muss er eine Momentaufnahme mich aktuell begeisternder Stücke sein. Gerade finde ich wieder Tracks mit einem Hang zu Juke und Footwork sehr interessant, weil Interpreten wie Mark Pritchard, Traxman oder Le Motel aus der Begrenztheit dieses Genres ausbrechen und wesentlich mehr Abwechslung in die Struktur bringen. Auf der Geschwindigkeit lassen sich gut Überleitungen zu Orginalsamplen, Rap oder anderen Spielarten finden und damit Höhen und Tiefen im Spannungsbogen einzubauen. Ich denke, dass der Mix eher als ein Snippet für Livedarbietungen aufzufassen ist und eine ausreichende Länge gefunden hat, um einen Einblick in diese eine Facette von mir zu bekommen, ohne gezwungen in die Länge gedehnt zu sein.

Was reizt dich am meisten am Auflegen?

Ich glaube, was jeden ernsthaften DJ antreibt, die Musik, die ihn mitreißt aufzulegen, ist, sie in irgendeiner Art und Weise miteinander zu verbinden. Das kann erstmal nur im Kämmerchen für ihn allein oder vor einem Publikum passieren. Ich bin mir recht sicher, dass ein Großteil damit eine Stimmung erzeugen will, die den Hörer und letztendlich auch ihn selbst glücklich macht. Beides trifft auch für mich zu. Ob ich mich zu Hause für mich allein austobe oder versuche die Essenzen daraus zu nutzen, um mit den Leuten, die das hören eine Synergie zu haben, macht den entscheiden Punkt aus. DJs, die in ihrem Set noch tolle Musik gut scratchen und jugglen können, ohne die Verbindung zum Publikum zu verlieren, bringen mich dann noch in ganz andere Sphären (und reizen mich mehr zu üben).

Kannst du kurz erklären, was sich hinter Chopy Wood verbirgt und was dich damit verbindet?

Chopy Wood ist eine Veranstaltungsreihe, die ich mit meinem Partner Tabooze zusammen im Kassablanca in Jena seit 2009 organisiere. Uns wurde dort angeboten, Partys inhaltlich zu gestalten, die einen Bezug zu Rap haben, aber nichts mit einem kommerziellen Bild einer Black Music Disco verbinden, wie es zu der Zeit beliebt war. Das passierte zeitgleich mit dem Aufkommen des angesprochenen „Genres-ohne-Namen“ zwischen Rap-, Beat- und Dubstep. Seitdem laden wir, bis auf Sommer- und Umbaupausen, aller ein bis zwei Monate internationale Gäste ein, um bei uns zu spielen.
Bisher konnten wir unter anderen Fulgeance, Débruit, fLako, Mono/Poly, Free The Robots, Kutmah, Robot Koch, Comfort Fit, Cid Rim, Clonious, Sarah Farina, KRTS und Kid Kanevil bei uns willkommen heißen. Zudem kümmern sich zeitweise DJs wie Paul Pre, Mo Delicious oder Skor Rokswell um das Rundumprogramm. Neben der Plattendreherei verbindet mich damit auch eine Art der Verwirklichung auf musikalicher Ebene.

Was unterscheidet dein Alter Ego Five Zebras von Shape?

Das Synonym würde sich bei größerer Karriere besser bei Google finden lassen.

Wie überstehst du die Sommerpause?

Mit der Planung für die Winterpause.

Danke für das Interview.

Danke auch.

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