IT’S YOURS Exclusive 006 | FAT BEMME

Am 28.09.2013 starteten 4 DJs aus Leipzig eine Veranstaltungs-Reihe namens „FAT BEMME“ im Kulturkollektiv Pferdehaus/WW. Betitelt wurde das ganze mit Neurofunk, Techstep, und Deep & Dark. Dieses Neurofunk stach mir dabei sehr ins Auge. Um Ehrlich zu sein ist das nämlich nicht gerade mein Geschmack, was aber nicht heißen soll, dass ich es als Musikrichtung nicht anerkenne. Dementsprechen war mein Interesse an dieser Veranstaltungsreihe nicht besonders hoch. Dass ich dann doch zur zweiten Party gegangen bin lag auch eher daran, dass mich dort viele Freunde erwarteten. Am Ende war ich doch positiv überrascht über das, was mir dort musikalisch geboten wurde. Da ich der Meinung bin, dass nicht nur ich so über diese Veranstaltungsreihe gedacht habe, wollte ich mal ein bisschen Aufklärungsarbeit im Auftrag von It’s Yours leisten und traf mich dafür mit Neonlight, audite und Wintermute. Das Interview lohnt sich zu lesen für alle, die bisher auch gedacht haben, dass dort nur „Geschredder“ läuft. Und ein musikalisches Beispiel gibts in Form von einem Exclusive Mix noch oben drauf.

IT’S YOURS: Als ihr vor gut einem halben Jahr die FAT BEMME gestartet habt, was war da eure Intention, wonach habt ihr euch gerichtet?

audite: Anfang 2012 kam das Kulturkollektiv Pferdehaus aus dem Westwerk, vertreten durch Aloo und Bené, auf mich zu und hat gefragt, ob ich dort Drum & Bass Bookings machen möchte. Aloo hat ja auch eine Drum & Bass Vergangenheit und Bené zumindest eine Breaks Vergangenheit. Beiden war es musikalisch zu einseitig, was im Pferdehaus geboten wurde. Dieses Angebot habe ich angenommen und mit Aloo zusammen eine Veranstaltungsreihe namens Rodeo gegründet. Allerdings wurde irgendwann offensichtlich, dass das zwar okay war aber irgendwie nicht gut genug. Das lag wahrscheinlich daran, dass die Veranstaltung sich zu wenig von anderen Drum & Bass Veranstaltungen abgrenzte. Also überlegte ich, was denn in Leipzig noch nicht geboten wird und worauf ich Bock habe. Dabei bin ich auf den Neurofunk-Sound und alles, was sich drumherum bewegt, gestoßen. Meiner Meinung nach passt die Location, als altes Warehouse, und die Anlage sehr gut zu dem Sound und es gibt auch durchaus ein eigenes Publikum dafür in Leipzig. Mir war aber auch klar, dass ich das nicht mehr alleine machen möchte und da habe ich mich an die Leute gewendet, die in Leipzig für diesen Sound stehen. Am naheliegendsten war dann natürlich meine guten Bekannten Neonlight und Wintermute zu fragen, auch wenn es noch andere Vertreter dieser Klasse in Leipzig gibt. Zumindest die Jungs von Neonlight haben in Sachen Veranstaltungsplanung auch schon Erfahrung und ihr internationaler Erfolg ermöglicht uns einen bestimmten Zugang zu Acts und ein gewisses Wissen über den aktuellen Stand in der Neurofunk-Szene.

IT’S YOURS: Also könnte man behaupten, dass der Sound von Neonlight das repräsentiert, wofür die Veranstaltungsreihe FAT BEMME steht?

audite: Definitiv nicht! Uns war es von Anfang an wichtig auf den Flyer auch noch die anderen Sub-Genres Techstep und eben Deep & Dark mit dazu zu schreiben und das dementsprechend auf der Veranstaltung auch zu spielen. Auch wenn ich gerne mal Neurofunk spiele, sehe ich meine Position eher darin, auf dem Warm-Up Slot diese dunkle und halftimemäßig daherkommende Sparte abzudecken. Also es ist auf jeden Fall nicht nur Neonlight-Sound sondern es geht darüber hinaus!

IT’S YOURS: Aber mit den letzten zwei Acts, Giana Brotherz und Dementia, habt ihr euch ja schon stark auf Neurofunk fokussiert.

Tobias Neonlight: Also mit Dementia haben wir auf jeden Fall jemanden gebucht, der auch selber seinen Sound mit „Neurofunk Drum & Bass“ betitelt, aber mit dem nächsten Act DLR ist ja jetzt schon jemand dabei, der gerade mit seinen aktuellen Sachen mehr „Intelligenz“ beim Produzieren und das Deepe mit reinbringt, was schon nochmal eine neue klangliche Facette ausstrahlt und das verdeutlicht wofür Wintermute ja auch die lokale Vertretung ist und somit ja auch in das FAT BEMMEN-Motto mit reinpasst.

IT’S YOURS: Aus der Sicht vieler Leute, steht FAT BEMME für Neurofunk. Ist das DLR-Booking ein Grund um zu zeigen, wie vielfältig FAT BEMME eigentlich ist?

audite: Das ist sicherlich erstmal so rübergekommen, was ja aber nicht schlimm ist, denn es ist ja auch ein Teil der FAT BEMME es ist aber auch wichtig zu zeigen, dass es darüber hinausgeht. Gerade Giana Brotherz können auch mal Gabba spielen und DLR vertritt eher den Deepen-Sound, aber wir müssen natürlich auch bedenken, dass wir für die Prime-Time keine Acts buchen können, die zu experimentel sind. Das können wir selbst dann um den Main-Act herum abdecken, da das ja, wie Tobias schon sagte, durch Wintermute ganz gut vertreten ist und ich auch gerne mal experimentiere.

Tobias Neonlight: Klar macht es bei vielen Leuten den Eindruck, dass sich alles um Neurofunk dreht, gerade wenn sie auf dem Flyer Neonlight lesen oder wenn sie sich das erste Set von Wintermute bzw. das zweite dann mit Jakob zusammen angehört haben. Da ist schon sehr viel „Dampf“ dahinter aber das ist ja auch ein Markenzeichen der Veranstaltung, dass es da auch hoch hergeht. Mit DLR wollen wir aber auch zeigen: Wir können auch anders!

Wintermute: Ich würde das auch nicht unter Neurofunk subsummieren. Das ist igendwie mehr so ein technisch, trockener „Warehous-Flaire“ den wir da vermitteln wollen.

Tobias Neonlight: Also wie es halt 2000 rum viele von uns beeinflusst hat als wir angefangen haben. Da hieß es halt Licht aus, Nebel und Strobo an und laut aufgedreht!

IT’S YOURS: Dieser Sound, den ihr repräsentiert spricht unter anderem auch sehr junge Leute an. Seht ihr euch in der Position der „Bildenden“, die mit der Veranstaltung junge Generationen in die „Drum & Bass Welt“ aufnehmen will?

Jakob Neonlight: Ich finde das gut, dass junge Leute zu unseren Partys kommen und ihnen das sehr gefällt, denn das sind die Leute, die in ein paar Jahren die Szene ausmachen. Als ich vor vielen Jahren nach Leipzig gekommen bin, war mein Eindruck, dass die Leipziger Drum & Bass-Szene verhältnismäßig überaltert ist. Das hatte auf der einen Seite einen gewissen Charme aber auf die Zukunft geblickt werden diese Leute auch nicht jünger, gründen Familien und haben weniger Zeit und Kraft, Drum & Bass in Leipzig zu verfolgen. Es fehlte an neuen, jungen Menschen, die sich dafür interessieren. Aber seit 2-3 Jahren bewegt es viele Jugendliche in die Clubs zu Drum & Bass und es ist durchaus möglich, dass das bei uns besonders auffällt, was auch an unserem „quietschigen Draufhausound“ liegen kann. Ich denke, dass viele durch die „Popularität“ von Dubstep in den letzten Jahren erst zu dem „Basssound“ gekommen sind und jetzt vielleicht auch nach links und rechts blicken, was denn da noch so läuft und dabei halt auch auf unsere Sachen stoßen.

Tobias Neonlight: Zwar haben wir unsere Veranstaltung jetzt ganz klar mir „P 18“ ausgeschildert, da es immer so eine Gradwanderung ist, jung & alt auf die gleiche Party zu locken, aber ich persönlich habe mit Jüngeren keine negative Erfahrung gemacht. Sie sind halt noch voller Energie und leben das auf solchen Partys zum Teil vielleicht zu exzessiv aus aber letztendlich waren wir alle mal jung und hatten Lust uns auszuleben und auch auszuprobieren.

audite: Generell sehe ich das auch positiv, weil wir dadurch Drum & Bass ja auch am Leben halten, solange wir aber auch ein Auge darauf haben, dass Leute aufgrund ihres zu jungen Alters da noch nicht hingehören. Aber ich finde es prinzipiell immer schlecht, wenn man sich über Nachwuchs beschwert, denn letztendlich haben wir es auch in der Hand den Nachwuchs zu prägen.

IT’S YOURS: Mit dem Stil, den ihr da fahrt, bewegt ihr euch auf einem schmalen Grad zum Übetriebenen gerade in den technoiden Sounds, die ja durchaus auch mal ausschlagen können. Wie steht ihr dazu, einfach mal sämtliche Regeln über Bord zu werfen und dem „Ausrasten“ zu frönen?

Tobias Neonlight: Ich denke, das ist stark von den DJs abhängig. Es ist ja letztendlich deren Entscheidung, was sie spielen wollen. Das ist zu den späteren Abendstunden relevant, wo der DJ entscheiden kann, ob er eine ruhigere Schiene fährt und die Leute damit ja auch zum Gehen bewegt oder ob er eben nochmal die Sau rauslässt. Es ist ja auch wichtig, das die Stimmung erhalten bleibt, was nicht heißen soll, dass man gegen Ende in den Himmel hinausschießt, nach dem Motto: höher, schneller, weiter. Wir achten bei dem Booking auch darauf, dass wir uns eben DJs holen, die verstehen, wie weit man gehen kann und wo die Grenzen sind.

audite: Und selbst wenn wir Acts buchen, wo es durchaus passieren kann, dass etwas übetrieben wird, finde ich es gar nicht verkehrt, solange es nur punktuell kommt. Denn das macht letzendlich jede Party aus, wenn Sachen passieren, die erstmal übertrieben wirken aber dennoch funktionieren. Wenn Leute feiern gehen, dann wollen die ja auch manchmal übertreiben (Tobias: …oder was erleben, was nicht geplant ist). Solange das nicht ins Lächerliche ausartet ist es auch sehr wichtig.

IT’S YOURS: Erst zwei nationale, dann ein internationaler UK-Act, wie geht es weiter?

Tobias Neonlight: Man könnte ja jetzt vermuten, dass es mit den Acts weiter hoch hergeht und sich ins unendliche steigert, aber wir sind da eher auf das Konzept, also die Grund-Idee fixiert. Das Musikalische steht im Vordergrund und danach richten wir uns auch bei der Act-Auswahl und da ist die Popularität nicht so wichtig.

audite: Wir haben auch Acts auf dem Schirm, die zwar national vielleicht bekannt sind aber eben noch nicht international. Wir haben nicht den Anspruch nur Topstars zu buchen. Wenn sich das ermöglicht, dann natürlich aber es wird nicht erzwungen.

IT’S YOURS: Und was wird uns speziell am 1. März überraschen?

Jakob Neonlight: Das wird natürlich noch nicht verraten, dazu müsstet ihr dann schon vorbeikommen. (lacht)
Für mich ist es aber wichtig, dass unser Publikum etwas erlebt. Wir sollten also auch etwas machen, was nicht überall zu erleben ist. Das fängt bei der Musik an, hört dort aber noch lange nicht auf. Es muss auch was Spezielles geben, wie zum Beispiel die Fett-Bemmen (und die vegetarische I-Bemme). In unseren ersten Besprechungen hatten wir auch jede Menge Ideen, was das Gesamtkonzept angeht. Daraus sind auch schon so manche verwirklicht worden, wie zum Beispiel die Teaser-Videos. Wir haben uns auch großartige Dekorationen ausgedacht, wissen allerdings nicht, was wir davon zur nächsten Party verwirklichen können, aber das Projekt muss ja auch Stück für Stück wachsen. Uns ist es auch wichtig, dass es immer wieder etwas Neues gibt, worauf sowohl wir uns, als auch das Publikum sich freuen kann und dass man sich nicht in so einen Trott begibt und so das Projekt eher als Last sieht. Wir sind dann auch immer gespannt, wie die Leute auf neue Sachen reagieren.

Tobias Neonlight: Wir wollen da mehr FAT-Style reinbringen.

IT’S YOURS: Also bezieht ihr euch bei der Dekoration auch eher auf euren Namen?

Tobias Neonlight: Der Name spielt schon eine wichtige Rolle bei allem was wir gestalten wollen. Bevor wir die Reihe gestartet haben, haben wir uns einige Gedanken gemacht. In dieser Diskussion sind wir dann aber irgendwann in’s Lächerliche geraten und haben angefangen uns Namen auf sächsisch auszudenken. Da ist eben auch der Name FAT BEMME vorgekommen. Zwar fanden wir das am Anfang alle nur lustig aber irgendwann bemerkten wir, dass es doch ganz gut klingt und die Sache trifft. Und so ist eben, in einer Kombination aus dem englischen „Fat“ und der sächsischen „Bemme“, dieser Name entstanden.
Wir haben da schon Sachen in Planung, die den Namen verdeutlichen aber noch ist nicht klar, was wir davon umsetzen können, aber eine Überaschung wird es am Samstag geben, soviel sei verraten.

IT’S YOURS: Meine Liste an Fragen ist abgehakt. Habt ihr noch was zu ergänzen?

Tobias Neonlight: Wir möchten an dieser Stelle gerne noch einen Aufruf starten: Wir suchen für unsere Veranstaltungen noch einen Fotograf und jemanden, der sich mit dem Drehen von Videos auskennt (unter Clubbedingungen) um auch Reviews ermöglichen zu können. Wenn ihr da selber Lust drauf habt oder jemanden kennt, könnt ihr uns gerne schreiben: fatbemme@gmail.com

Und zum Abschluss nun der Exclusive Mix der Veranstalter. Passt perfekt zu den Aussagen im Interview und lässt sich gut hören!

FAT BEMME im Netz: www.fatbemme.com

 

 

3 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.