Defrostatica – Rogue Style 2 EP

Vor kurzem haben die Leute von Defrostatica die zweite Ausgabe ihrer Serie Rogue Style veröffentlicht. Das Leipziger Label, dass sich in erster Linie Footwork auf die Fahne geschrieben hat und gleichzeitig vor Kreuzungen dieses Styles mit Drum & Bass oder Jungle nicht zurückschreckt (was natürlich durch die Verwandtschaft und den gegenseitigen Einfluss der Genres bedingt ist), schlägt mit Rogue Style einen etwas anderen Weg ein.

Im Vordergrund steht hierbei die Verschmelzung von Drum & Bass mit Hip Hop – genauer gesagt mit Breakbeats und der B-Boy/-Girl Culture. Ein wirklich sehr ausführlicher Artikel zu dieser Idee wurde bereits letztes Jahr auf Bandcamp veröffentlicht.

Wie bei der Rogue Style 1 trifft eine Gruppe internationaler Producer zusammen, die sich in vier Varianten des Gedankens annimmt. Dazu gehören Digital (England), 6Blocc, Calculon und Shamanga (USA), Fanu (Finnland) sowie Agzilla (Island). Zum Anlass haben sich außerdem diese und auch die Künstler der ersten Ausgabe zusammengesetzt und eine Spotify-Playlist gebastelt, die den Spirit des Rogue Style mit weiteren Tunes aus aller Welt repräsentiert.

Das erste Stück heißt Uprock und kommt von Digital, der seit über zwei Jahrzehnten das Drum & Bass und Jungle Movement als DJ, Produzent und Labelchef von Function Records entscheidend mitprägt. Mit dem Puls auf 173 bpm zelebriert er hier passend zum Anlass eine zeitgemäß trockene Breakbeatrhythmik, die den old-school-Sound einer Drum-Machine aufgreift. Die sich einschleichende getrommelte Bassline mutiert dann erst zum Ohrwurm, um später mit einer präzisen Acidsynth-Einlage Bekanntschaft zu schließen. Spätestens dann werden wohl alle Robostyle-Hardliner nichts anderes mehr tun können, als ihre heißesten Skills zum Besten zu geben.

Weiter geht’s mit Call Out von der Kollab aus 6Blocc, Calculon & Shamanga. Wie auch immer die drei US-Amerikaner es geschafft haben, in etwas mehr als vier Minuten ihre Einflüsse aus Hip Hop, Dub, Trap & Jungle in eine Form zu gießen, die Nummer läuft gut durch. Da macht wohl jeder Breaker eine gute Figur zu.

Die Flipside eröffnet der finnische Breakbeat-Leuchtturm Fanu mit Machinedrummachine. Klar, der Titelname ist natürlich gleich programmatisch zu verstehen, denn auch hier ist der Wink zu den Breakbeatdrums der 80er nicht zu überhören. Alles aber auf diese Fanu-typische Weise schön angeraut und angeschmutzt. Die durch den Verzerrer gezogenen Vocals und die sich aufbauende erhobene Atmosphäre drücken dem Beat dann auch nochmal einen avantgardistischen Stempel auf. Die Special-Moves sind hier gefragt.

Wer seine Paukenhöhlen aber doch lieber mit klassischen Amen-Jungle verwöhnen möchte, wird von dem letzten Track Tessellation des Isländers Agzilla nicht enttäuscht werden. Erst groovt er sich knappe zwei Minuten schön funky ein, bis dann aus dem Nichts das Amengewitter einsetzt und der Jungle wieder übernimmt. Wer hier durchbreakt verschafft sich definitiv amtlichen Respekt auf der Tanze.

Breakbeat in verschiedensten Facetten. Auch bei der Fortsetzung der Rogue Style EP heißt es: „Zugreifen, solange es noch geht!“ Der Release, der die Katalognummer DICA005 trägt, ist hier sowohl auf weißer Vinyl als auch digital erhältlich.

Website: http://defrostatica.com/
Release: https://defro.st/atica005
SoundCloud: https://soundcloud.com/defrostatica

Dieses Review wurde von Stephan und Martin geschrieben.

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