Amen, Brother! – Eine Kollekte für einen legendären Breakbeat

Es geistert inzwischen auch durch deutschsprachige Musik-Webseiten und -Blogs: Seit über einer Woche werden Spenden für den Mann gesammelt, ohne dessen Einfluss nicht nur Drum & Bass völlig anders klingen würde. Via gofundme sind bereits mehr als 14.000 britische Pfund an Spenden für Richard L. Spencer eingegangen, der als Sänger und Saxophonist der Band The Winstons Musikgeschichte schrieb.

Dabei ist nicht das erfolgreichste Stück der Band gemeint – für Color Him Father wurde die Band 1969 mit einer Goldenen Schallplatte ausgezeichnet -, nein, es ist die schnell eingespielte, als Füller gedachte B-Seite Amen, Brother!, welche eines der am meisten gesampleten Schlagzeug-Solos überhaupt beinhaltet:

Kurz zusammengefasst: Die Band verschwand nach kurzem Bestehen recht schnell wieder – nicht nur der Erfolg, sondern auch die „gemischtrassige“ Besetzung waren die Gründe. Jahre später stürzte sich zunächst die junge Hip Hop-Szene darauf und heizte unter anderem mit jenem Amen-Break Ende der 70er ihre Crowd an. Praktischerweise blieb das Stück dank der Bootleg-Compilations Break Beats Vol. 1 und Ultimate Breaks & Beats Vol. 1 von Leonard “Breakbeat Lenny” Roberts nicht lange das Geheimwissen einzelner DJs. Durch die Verbreitung der Sampler wurde der Breakbeat zunächst bei Hip Hop-Produzenten beliebt, doch sein endgültigen Durchbruch gelang durch unzählige Jungle- und Drum&Bass-Fricklern Anfang der 90er. Auch ohne es zu wissen, wird wohl jeder den Breakbeat irgendwo gehört haben – selbst in der Futurama-Titelmelodie wurde er verbraten.

Wer die ganze Geschichte etwas ausführlicher nachlesen möchte, dem seien die Artikel bei Spiegel Online und beim Economist empfohlen, wer lieber zuhört, hat hier die Möglichkeit dazu.

Die Ex-Musiker der Winstons gingen dabei leer aus. Bandleader Richard L. Spencer erfuhr um 1996 von der Verwendungs des Songs und zeigte sich 2011 während eines Interview mit dem BBC verbittert. Schlagzeuger Gregory C. Coleman hingegen verstarb 2006 in Armut.

Als Reaktion darauf hat der britische DJ Martyn Webster mit einer Crowdfunding-Aktion nun eine stattliche Respektsbekundung ins Rollen gebracht. Nicht nur große Namen im Drum&Bass haben ein paar Pfund locker gemacht, auch ein Four Tet findet sich z.B. in der Spenderliste.
Die Einnahmen werden dabei an Richard L. Spencer gespendet, der das Copyright an dem Song besitzt. Hier blieb zuletzt auch Kritik nicht aus, da Spencer wiederum nicht den eigentlichen Groove eingespielt hat. Inwiefern jener sich dazu entscheidet, ehemalige Bandmitglieder oder Nachfahren (v.a. von Coleman) zu beteiligen, werden wir wohl erst nach Ende der Aktion erfahren – was allerdings schon recht bald ist, dem letztem Update zufolge möchte Webster noch im Februar die Spendenaktion beenden.

Bezeichnend ist, dass sich jegliche Major-Labels, die ja schnell dabei sind, wegen unlizensierter Samples eigener Stücke ganze Horden von Anwälten von der Leine zu lassen, aus dem Geschehen heraushalten. Dass der Amen-Break auch auf unzähligen Produktionen jener Labels verwendet würde, überrascht sicher niemanden.

http://www.gofundme.com/amenbrother
https://www.facebook.com/amenbreakbeat

Ein Kommentar

  • Die Band kannte ich nicht, aber gute Musik haben sie auf jeden Fall gemacht. Sogar ohne Gesang kommt die Band bei mir gut an. Übrigens, toller Artikel!

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