Club ist Kultur – Sperrstunde, Schließungen, Stadtwandel

Ein gutes Jahr ist es her, dass das IFZ wegen Anwohnerbeschwerden mit der aktiven Umsetzung der Sperrstunde beginnen musste. In der Zwischenzeit musste das 4 Rooms schließen, die DHF hat ihre Schließung angekündigt und das So & So kann auch nicht länger an seinem Standort bleiben.
Das alles sind Nachweise dafür, dass die clubkulturelle Szene in ihrer Form stark gefährdet ist und es darf behauptet werden, dass sich der gesellschaftliche Umgang mit der Szene vor allem in Leipzig an einem Wendepunkt befindet. Rise or fall.

Aus Freude am Tanzen

musikalische Kundgebung am 22. August um 17 Uhr am neuen Rathaus

Ein entscheidender Stichtag dürfte wohl der 22. August sein, wenn der Stadtrat über eine Verwaltungsvorlage entscheidet, die die Sperrstunde in Leipzig aufheben würde. In dieser Vorlage steht auch eine ausführliche Begründung über den Unsinn dieses Gesetzes.

Künstler erzählen am Abend ihre ganz eigene Geschichte, ihr Mittel ist das nicht das Wort
sondern die Musik. Und die Geschichten haben Höhen, Tiefen und Spannungsbögen,
Energien die Liebhabern klassischer Musik auch bekannt sind. Durch eine entsprechende
Planung der Lineups werden diese einzelnen Geschichten der Künstler über den Abend
miteinander verwoben, wodurch der Gast am Ende ein für jeden Abend einzigartiges
Erlebnis haben kann.

Mit der DJ-Kultur und dem Mixen von Musikstücken, dem Verweben der Töne miteinander,
gibt es keine Pausen mehr. Der Gast kann sich in die Musik hineinbegeben und über
Stunden zum Teil tiefe kontemplative Erfahrungen erleben. Das Gefühl, ganz in der Musik zu
sein, die Gedanken und die Welt hinter sich lassen zu können, bedarf einer gewissen
Ungestörtheit und der Möglichkeit, sich über die Zeit hinweg zeigen zu können. Auch das ist
ein Grund dafür, warum Clubevents so viel länger als normale Konzerte dauern.

– Auszug aus Beschlussvorlage Nr. VI-DS-05797 der Stadt Leipzig

Diese Vorlage bezieht sich nicht nur auf die Aufhebung der Sperrstunde. Mit einer erfolgreichen Abstimmung erkennt der Stadtrat die Aktivitäten in Clubs als kulturelle Aktivitäten an, die einen wertvollen Teil der Stadt darstellen. Sie könnte eine gute Grundlage für zukünftige Kämpfe um Existenzen sein.

Vom Ungleichland bedroht: So & So (Quelle)

Vom Ungleichland bedroht: So & So (Quelle)

Dieser Kampf wird gerade im So & So geführt. Das Gelände des Eutritzscher Freiladebahnhofs soll bebaut, und das So & So geschlossen werden und das entgegen des eigentlich geplanten Bebaaungsplans. Die IG LiveKommbinat Leipzig fordert daher den Stadtrat zu mehr Selbstbewusstsein gegenüber Investoren auf und erwähnt dabei die Bedeutung von Clubs in der Stadt.

Eine positive Abstimmung der Vorlage wäre ein erster Schritt zu diesem neuen Selbstbewusstsein und ein Zeichen des Lichts in einer Zeit, in der clubkulturelle Stätten mehr gefährdet sind denn je. Am 22. August bei der Kundgebung am neuen Rathaus können wir den Stadtrat bei seiner richtigen Entscheidung unterstützen und der Öffentlichkeit zeigen, wie bereichernd ein Abend in einem Club sein kann.

Beitragsphoto: CL. / Photocase.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.